
Günter Fruhtrunk Intervalle, 1958/1959
In der Nachfolge der ungegenständlichen Malerei der Nachkriegszeit entwickelte Fruhtrunk seine eigene geometrisch-abstrakte Farben- und Formensprache der konkreten Kunst.
Die Werkgruppe Ende der 1950er- und 1960er-Jahre weist zunächst klar konturierte, frei im Raum schwebende Elemente auf, die sich jedoch allmählich auflösen. Hierzu gehört „Intervalle“ als eine von vier Variationen, die jeweils als Paar – mit Ausnahme der Bildmaße – in Bildmotiv und bildnerischen Mitteln wie Farbe, Form und Komposition identisch sind. Die Reduktion auf einfache geometrische Grundformen wie Quadrat, Rechteck und Kreis sowie auf die Farben Schwarz, Weiß, Rot, Grau und Violett zeigt unter anderem Fruhtrunks Auseinandersetzung mit dem Suprematismus. Im Gegensatz dazu herrscht in seinen Arbeiten ein labiles Gleichgewicht und ein Rhythmus, in dem sich Farben und Formen abgrenzen, überlagern oder ausdehnen (Malsch 2012, S. 21).
Für Fruhtrunk ist das Serielle und das Negieren einer individuellen Handschrift bezeichnend. Durch das eigenhändige und präzise Anfertigen der Variationen entstehen jedoch stets Unikate (Reiter 2018, S. 54). Seine Werke konzentrieren sich auf die Struktur, die gegenüber der Farbe und Form eine dienende Funktion hat. Sie verweigern einen Ruhepunkt und zwingen die Betrachtenden zu immer neuen Sehweisen. Zudem fordern sie das aktive Sehen ein und sensibilisieren für die rhythmisierte Lichtenergie der Farbe. Das Ziel ist, dabei ein Höchstmaß an Lichtintensität der reinen Farbe zu erreichen (Fruhtrunk 1973, S. 53).
Malsch, Friedemann: Konkretion, Transzendenz und Engagement. Von den frühen zu den späten Bildern Günter Fruhtrunks, in: Malsch, Friedemann (Hg.): Günter Fruhtrunk. Farbe Rhythmus Existenz [Ausst.-Kat. Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz 2012], Ostfildern 2012, S. 19–26.
Reiter, Silke (Hg.): Günter Fruhtrunk. Werkverzeichnis der Bilder 1952–1982, Bd. 1, Berlin 2018, S. 54.
Günter Fruhtrunk, zit. nach: Koch, Jörg Walter (Hg.) Fruhtrunk. Bilder 1952–1972 [Ausst.-Kat. Städtische Galerie Lenbachhaus, München 1973 / Badischer Kunstverein, Karlsruhe 1973 / Museum Bochum 1973], o.O., S. 53.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 149f.
Leihgabe aus der Kunstsammlung der Provinzial Versicherung AG, Direktion Münster
- bis 1999 Nachlass des Künstlers, Paris
- 1999 erworben durch die Westfälische Provinzial Versicherung, Dauerleihgabe aus der Kunstsammlung der Westfälischen Provinzial Versicherung Aktiengesellschaft

