
Fritz Levedag Elegisches (Vs.), Skizze (Rs.), 1929
Fritz Levedags künstlerischer Werdegang begann nach dem Ersten Weltkrieg: Im Alter von 23 Jahren besuchte er zunächst 1922 die Handwerkerfachschule in Stuttgart und 1923 eine Privatschule für Zeichnung in München. Es folgte das Studium der Bildhauerei an der Düsseldorfer Akademie von 1924 bis 1926. Angeregt durch den Besuch einer Ausstellung im Kunstpalast 1925 mit Werken von Paul Klee (1879–1940) und Wassily Kandinsky (1866–1944) wechselte er 1926 ans Bauhaus nach Dessau und arbeitete ab 1928 als Architekt bei Walter Gropius (1883–1969), den er 1929 nach Berlin begleitete.
Levedags lebenslange Auseinandersetzung mit bildnerischen Mitteln, darunter die Untersuchung von Farb- und Formbeziehungen sowie die Organisation von Bildfläche und formalen Elementen, fand seinen Ursprung im Bauhaus unter anderem in der Auseinandersetzung mit den bildtheoretischen Lehren von Paul Klee (1879–1940) und Wassily Kandinsky (1866–1944). Dadurch inspiriert begann Levedags anhaltende Entwicklung einer eigenen Formensprache und Farbtheorie.
Die Spannung der Bildkomposition des in dunklen Erdtönen und vereinzelt gesetzten Mischfarben gehaltenen schwermütigen Werkes „Elegisches“ entsteht aus dem Wechselspiel seiner zeichnerischen und malerischen Bildelemente: Skizzenhafte Zeichnungen aus eingeritzten Linien im hölzernen Bildträger lassen diesen teilweise durchscheinen, teilweise wurden die Einkerbungen übermalt und verdichten sich zu Farbformen aus Kreisen und mehreckigen Formen. Der Bildraum selbst ist aus unterschiedlichen, punktuell gesetzten Farbschichten aufgebaut, die zu einem pulsierenden Braunton verschmelzen. Vereinzelte helle und dunkle geometrische Grundformen, die teilweise miteinander durch Linien verbunden sind, heben sich von dem Bildhintergrund ab. Diese scheinen wie Symbole und Zeichen einer fremden Welt losgelöst auf der Bildfläche zu schweben.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 276f.



