
Jacob Quinchard Sitzbildnis des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen vor der Stadt Münster, um 1670 – 1675
Christoph Bernhard von Galen (1606–1678) aus münsterländischer Adelsfamilie, evangelisch geboren und katholisch erzogen, betrieb nach seiner Wahl zum Fürstbischof 1650 eine Politik militärischer Stärke, um sein Fürstbistum gegen die Gefahr einer Säkularisierung, wie sie im Dreißigjährigen Krieg bestanden hatte, zu sichern. Dazu gehörte auch die Einwurzelung des katholischen Glaubens und die Beseitigung der Autonomie der Stadt Münster. Nach siebenjährigen Kämpfen musste die Stadt sich 1661 unterwerfen. Das große Bildnisgemälde zeigt ihn ganzfigurig in bischöflicher Kleidung mit dem Pektorale. Auf dem Tisch liegen die Symbole seines Amts, Mitra und Hirtenstab für das Bischofs- und das Schwert für sein Fürstenamt. Das Kruzifix weist auf den Wechsel der Familie zum Katholizismus und auf seine Frömmigkeit hin. Im Hintergrund ist die Stadt Münster zu erkennen, die er besiegte und seiner Herrschaft unterwarf. Üblich war es auch, dass ein Kirchenfürst seine Familie förderte – das machten die Päpste mit ihrem „Nepotismus“ (Förderung der Neffen) vor. Galen bemühte sich um die langfristige Sicherung des Einflusses der Familie, indem er für seinen Bruder Adelsgüter aufkaufte, die bisher evangelischen Familien gehört hatten, wie Haus Assen bei Beckum und Haus Dinklage im Amt Vechta, wo sein Bruder Heinrich als Droste amtierte. Für seinen Neffen Franz Wilhelm (1648–1716, s. Inv.Nr. 2099 LM) errichtete er ein Fideikommiss (Familienstiftung) und das Amt eines Erbkämmerers. Zudem stiftete er insgesamt acht Präbendenstellen für Mitglieder seiner Familie an den Domkapiteln in Münster, Minden, Osnabrück, Worms sowie an einigen Damenstiften. Der Fürstbischof hatte eine Erweiterung des Machtbereichs der Familie von Galen und die Stärkung einer zentralen, innerfamiliären Führungsrolle im Sinn. Das Gemälde stammt aus dem Wohnhaus des Familienzweiges von Galen zu Assen in Münster und konnte aus der Familie 1997 erworben werden. Mara Woltering Literatur: Lorenz, Angelika: Konturen eines neuen Menschenbildes – Zum Wandel des Porträts. In: Weiß, Gisela / Dethlefs, Gerd (Hg.): Zerbrochen sind die Fesseln des Schlendrians – Westfalens Aufbruch in die Moderne. Münster 2002. S. 224-239, hier S. 232. Dethlefs, Gerd: Hendrick van Lennep: Großer Plan der Belagerung Münsters, 1661 (LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Westfälisches Landesmuseum, Münster, Das Kunstwerk des Monats März 2011), online Kohl, Wilhelm, Die Diözese (Germania Sacra NF 37,3), Berlin / New York 1982, S. 622–642.
Woltering, Mara
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