
unbekannt Römisches Reich, Augustus (27 v. Chr.–14 n. Chr.), Aureus, 8/7 v. Chr., Lugdunum (Lyon), 8/7 v. Chr.
Varus ist überall – vielleicht auch am Varusberg im nordöstlichen Vorland des Eggegebirges? Die Lokalisierung der Varusschlacht, auch Schlacht im Teutoburger Wald oder Hermannsschlacht genannt, beschäftigt Gelehrte seit dem 16. Jahrhundert; seit dem 19. Jahrhundert dann Fachhistoriker:innen und Archäolog:innen, aber auch Heimatforscher:innen, Amateur:innen, Fantast:innen. Denn die sogenannte clades Variana [Varusniederlage], als im Jahr 9 n. Chr. drei römische Legionen samt Hilfstruppen unter Publius Quinctilius Varus von einem vereinten ‚germanischen‘ Heer unter dem Cheruskerfürsten Arminius/Hermann vernichtet wurden, gilt vielen als Geburtsstunde ‚deutscher‘ Geschichte. Wissenschaftlich ist dies überholt, und auch die Lokalisierung ist noch unklar: Kalkriese im Osnabrücker Land ist nur einer – wenn auch sehr vielversprechender – der vielen hundert Kandidaten.
Münzen bzw. Münzfunde spielten und spielen bis heute bei der Lokalisierung eine zentrale Rolle. Bereits Theodor Mommsen (1817–1903) kannte 1885 zwei Goldmünzen des Augustus, entdeckt 1871 bzw. 1881 „am Fuss des sogenannten Varusberges bei dem Bau der Hannover-Altenbekener Eisenbahn“. Eine kam 1886 in die Sammlung des Altertumsvereins zu Münster – von Varus liest man in den Akten nichts, es war wohl einfach eine gute Gelegenheit, eine perfekt erhaltene Goldmünze des ersten römischen Kaisers zu erwerben. Und schon Mommsen wusste: „Freilich kann dergleichen vereinzelte Funde auch der blosse Zufall herbeigeführt haben, und würde es gleich verkehrt sein an jedes einzelne Geldstück historische Combinationen zu knüpfen […].“
Kötz, Stefan: Varus in Ostwestfalen? Ein Aureus des Kaisers Augustus vom „Varusberg“, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 72f.
- Gefunden 1871 am „Varusberg“ zwischen Nieheim-Oeynhausen und -Himmighausen (Kr. Höxter)
- Geschenkt 1886 vom Westfälischen Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst, Münster


