
Gerhard Kappers Sitzbildnis Maria Henrica von Galen, geb. von Fürstenberg (1696–1742) mit ihrem Sohn Clemens August Ferdinand (1720–1747), um 1721
Auf einem thronartigen großen Sessel sitzt aufrecht Freifrau Maria Henrica von Galen in einem weit ausgeschnittenen Kleid. Auf ihrer rechten Hand hockt ein schwarz-weiß gescheckter Schoßhund, mit ihren Linken umfängt sie liebevoll den neben ihr stehenden Knaben, zu dem der Hund aufblickt; die rechte Hand des Knaben ruht gütig auf dem Hundekopf, die andere hält die lange Hundeleine – Zeichen dafür, dass das Kind zum Herrschen und Befehlen geboren ist. Der Knabe trägt geistliche Kleidung: ein schwarzes Gewand mit schmalem Kragen und vor der Brust ein großes Pektoralkreuz wie ein Kirchenfürst – es barg in der Regel Reliquien. Die goldfarbene Decke auf dem Sessel und die rote Farbe ihres Kleides waren die Familienfarben sowohl der Freiherren von Galen wie ihrer väterlichen Familie. Als Freiin von Fürstenberg zu Herdringen gehörte sie der reichsten und mächtigsten Familie des Sauerlandes an; ihr Großonkel Ferdinand (1626–1683) war Fürstbischof von Paderborn und Münster gewesen. Eine von sieben Schwestern, besaß sie seit 1702 eine Praebende im Damenstift St. Maria im Kapitol zu Köln, bis sie 1719 den münsterischen Erbkämmerer Wilhelm Ferdinand Freiherrn von Galen (1690–1769) heiratete. Das vorliegende Gemälde war ein Auftragswerk ihres Schwagers Friedrich Christian von Galen (1689–1748), der in dem Kind den künftigen Domherrn sah. Das Bild ist ein demonstratives Bekenntnis zur katholischen Kirche als Garant für den Einfluss der Familie. Von ihren fünf Kindern überlebte nur der älteste, Clemens August, geboren am 14. Juni 1720. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt, 1727, wurde er Domherr zu Münster und Minden als Inhaber der Galenschen Familienpräbenden dort, starb aber 1747, sodass sein Vater eine zweite Ehe einging und so die Familie fortsetzte.
Lorenz, Angelika: Konturen eines neuen Menschenbildes. Zum Wandel des Porträts, in: Weiß, Gisela / Dethlefs, Gerd (Hg.): Zerbrochen sind die Fesseln des Schlendrians. Westfalens Aufbruch in die Moderne, Bönen 2002, S. 224-239, hier S. 232-234.
Kohl, Wilhelm: Das Domstift St. Paulus zu Münster (Germania Sacra, NF 17,2, Bd. 2), Berlin/New York 1982, S. 734.
Heitmann, Clemens: Die Familien der Drosten und Erbkämmerer von Galen, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1974, Vechta 1973, S. 206-217, hier S. 210.


