
Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur (1710-1806) Koppchen und Untertasse, um 1725
„Gnädige Frau, darf es noch eine Tasse Tee sein?“ Im goldenen Schimmer des Morgens sitzen die elegant gekleideten Herrschaften im Speisezimmer von Schloss Nordkirchen beim Frühstück. So oder so ähnlich können wir uns die Szenerie zum Gebrauch dieses Porzellanservices vorstellen. Dank der aufkommenden Mode für die elitären Heißgetränke Schokolade, Kaffee und Tee entwickelte sich für feines Porzellan ein neuer, äußerst ertragreicher Absatzmarkt. Die Werke aus der königlichen Porzellanmanufaktur in Meißen erfreuten sich dabei besonderer Beliebtheit. Vor allem seit der Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt die Schmelzfarbenanwendung technisch perfektioniert hatte: Jetzt erst war die Bemalung des Porzellans in einem malerischen Stil möglich. Das Haupterzeugnis der Meißener Manufaktur war in den 1720er-Jahren das Frühstücksservice, dessen zarte Stücke zur Kleinmalerei einluden. Die ornamental umrandeten Bildfelder zeigen sogenannte Kauffahrtei-Szenen in fantasievollen Variationen. Sie erzählen kleine Geschichten aus der Handelsschifffahrt. Kaufleute im Gespräch, Seemänner oder Hafenarbeiter bei der Arbeit und Händler, die ihre Waren anpreisen. Höroldt war ein Meister der Gestik und so besitzt jede noch so winzige Figur ihren eigenen Ausdruck; daneben Fässer und Warenballen als Handelsware vor weitläufigen Gewässern, auf denen mächtige Segelschiffe mit fein gezeichneter Takelage ein- und auslaufen. Manchmal ergänzt eine Stadtkulisse oder Landschaft am Rande die Szenerie und darüber immer ein wolkiger, von winzigen Vögeln belebter Himmel.
Banz, Claudia / Pietsch, Ulrich (Hg.): Triumph der blauen Schwerter. Meißener Porzellan für Adel und Bürgertum 1710–1815 [Ausst.-Kat. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 2010], Leipzig 2010.
Pietsch, Ulrich: Johann Gregorius Höroldt 1696–1775 und die Meissener Porzellan-Malerei. Zur dreihundertsten Wiederkehr seines Geburtstages, [Ausst.-Kat. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 1996], Leipzig 1996.
Seyfarth, Richard: Johann Gregorius Höroldt. Vom Porzellanmaler zum 1. Arkanisten der Königlichen Porzellan-Manufaktur Meißen, Dresden 1981.
Walcha, Otto: Meißner Porzellan, Dresden 1973.
Verwandte Begriffe
Ähnliche Objekte

Kleine Platte mit Fabeltier

Tasse mit Untertasse im Kakiemon-Dekor

Kaffeemaschine in Form einer Kranenkanne mit Deckel

Goldtasse und Unterschale mit Akanthusrelief