

Porzellanmanufaktur Fürstenberg Schokoladenkanne mit Deckel, um 1790
Die heiße, flüssige Trinkschokolade vertrieb ab der Mitte des 17. Jahrhunderts die Biersuppe am Morgen von den Frühstückstabletts der vornehmen Damen, bis sie später zum festen Bestandteil einer Nachmittagsgesellschaft wurde. Die weiße Porzellankanne mit dem langen Holzgriff war zum Servieren dieser Süßspeise gedacht. Der breite Schnabelhals und der Deckel sind typisch für die Gestaltung einer Schokoladenkanne. Man orientierte sich im Wesentlichen – und ohne asiatisches Vorbild – an der hohen Form der Kaffeekanne. Mit einer bedeutenden Erweiterung: Die messingverschlossene Öffnung machte das Einführen eines Quirls oder Löffels möglich, um die Schokolade vor dem Verzehr schaumig zu schlagen. Die zwei Zeichnungen auf ovalem beigefarbenem Grund an den Seitenflächen zeigen eine junge Dame beim Federballspiel und die Göttin Flora unter zarten Blumengirlanden und in Begleitung eines verspielten Putto. Entsprechende Szenen waren beliebte Motive für die Geschirre der feinen Gesellschaft. Sie standen sinnbildlich für die angestrebte Stimmung, die mit dem Schokoladengenuss und dem einhergehenden Müßiggang geradezu zelebriert wurde. Besonders für die Damen der gebildeten Oberschicht bot das Treffen am Nachmittag eine Gelegenheit, um sich in aller Ruhe und mit klarem Kopf – ein positiver Nebeneffekt der nichtalkoholischen Getränke – zu Themen wie dem Zeitgeschehen oder der aktuellen Mode auszutauschen.
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