

Werkstatt der Franziskaner zu Meitersdorf Doppel-Madonna mit Strahlenkranz vom ehemaligen Marienleuchter in Kloster Volkhardinghausen (Nordhessen), 1523, Farbfassung 17. Jh.
Mit der Doppelmadonna aus dem ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift in Volkhardinghausen (Nordhessen) besitzt die Mittelalter-Sammlung ein Meisterwerk der süddeutsch geprägten Bildschnitzkunst der Spätgotik. Beeinflusst durch Skulpturen von Bildhauern wie Tilmann Riemenschneider oder Veit Stoss, entstand die zweiteilige Skulptur 1523 in der Klosterwerkstatt der Meitersdorfer Franziskaner, unweit von Volkhardinghausen. Ihre sehr gut erhaltene, kostbare Bemalung (Farbfassung) stammt aus dem 17. Jahrhundert. Bei dem Bildwerk handelt es sich allerdings um ein Fragment: Ein zugehöriges Baldachingehäuse mit ehemals daran befestigtem Kerzenleuchter ging im Zweiten Weltkrieg in Münster verloren. Ursprünglich hing das sogenannte Marianum vor oder im Chor der Klosterkirche. Wurden die Kerzen unterhalb der Figur entzündet, erschien den Gläubigen die vergoldete Doppelmadonna im Strahlenkranz wie die himmlische Vision des Apokalyptischen Weibes in der Offenbarung des Johannes (Offb. 12,1): den Mond zu Füßen, den Sohn in Armen, von der Sonne umfangen. Eine Ansicht der Doppelfigur zeigt die jugendliche Gottesmutter, ursprünglich ein Zepter in der Rechten haltend, auf welches das Jesuskind auf ihrer linken Hand blickt. Der Säugling hat den Arm um den Hals der Mutter gelegt und dreht seine Fußsohle nach oben – Hinweis auf die Durchbohrung der Füße bei der späteren Kreuzigung. Auch die Traube und der tote Vogel in den Händen des Kindes auf der anderen Seite der Skulptur sind Verweise auf die kommenden Leiden. Der Blick des künftigen Erlösers ist nach oben gerichtet, auf einen sogenannten Schmerzensmann (Christus mit den Wundmalen), der bis zu seiner Zerstörung im Baldachin oberhalb der Doppelmadonna stand. Damit schloss sich inhaltlich der Kreis vom leiblichen Sohn Marias zum Gottessohn, der durch sein Opfer die Menschheit erlöst. Um 1500 zählten Strahlenkranz-Madonnen wie diese zu den wichtigsten Ablassbildern. Im Angesicht dieser Werke abgehaltene Gebete versprachen umfassenden Sündenerlass. PM Literatur: Henkelmann, Vera: Die Doppelmadonna aus Volkhardinghausen. Fragment eines spätgotischen Marienleuchterensembles. In: Marx, Petra (Hg.): Neue Forschungen zur Alten Kunst […] (Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, Bd. 85/86). Münster 2010. S. 323–343. Meier, Esther: Kunstproduktion in den Franziskanerklöstern zu Korbach und Meitersdorf. In: Büttner, Nils, u. Barbara Welzel (Hg.): Dortmunder Schriften zur Kunst. Studien zur Kunstgeschichte (Bd. 1). Norderstedt 2008. S. 103–106.
Einblicke – Ausblicke. Spitzenwerke im neuen LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, hrsg. v. Hermann Arnold, im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Wienand Verlag, Köln 2014.
- erworben 1900 aus der Kirche zu Landau in Waldeck
Maße
Höhe 113 cm Breite 38 cm Tiefe 45 cm
Material
Lindenholz Inventarnummer
E-205 LM Standort
Raum 1.06 Kunstwerk des Monats
KdM_12_1984.pdf




