
Georg Herold (*1947) Hoffen, beten, glauben, 2005
Die Arbeit bildet den Abschluss der ersten Sammlungspräsentation im Neubau des Museums. Sie wurde als Pendant zum Bockhorster Triumphkreuz, mit dem die Sammlungspräsentation beginnt, ausgewählt. Ist das eine Werk Ausdruck der Religiosität und Frömmigkeit des Mittelalters, stellt das andere eine kritische und ironische Auseinandersetzung mit dem Thema Religion in der Gegenwart dar. So getragen der Titel erscheint, so trivial wirkt das verwendete Material für die Arbeit hoffen beten glauben von Georg Herold: Er fertigte die Arbeit aus einfachen Dachlatten. Die Dachlatte ist das von ihm am häufigsten verwendete Material und hier als eine Art Kreuz montiert. Es ist die Einfachheit – die Alltäglichkeit –, die das Material auszeichnet und von kunsthistorischer Symbolik befreit. Erst durch den Titel und die Beschriftungen der einzelnen Latten erhält das Werk eine inhaltliche Verortung: hoffen – was das Zeug hält, beten – auf Teufel komm raus, glauben – ohne Sinn und Verstand ist zu lesen. Dabei stehen die Verben den umgangssprachlichen Phrasen jeweils auf einer Latte gegenüber. Herold arbeitet konzeptuell: Er wirft Fragen nach dem Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft auf und positioniert sich in dem Diskurs über den symbolischen und materiellen Wert von Kunstwerken. Die Verwendung der unbehandelten Dachlatten verhindert, dass das Material selbst zum Bedeutungsträger wird. Gerade dadurch provoziert er jedoch die Suche nach einer Botschaft des Materials. In diesem Fall führt die Suche auf das Thema der Arbeit hin. Herold ironisiert – nicht ohne Humor – die christliche Symbolik und die religiösen Rituale. Ein Holzkreuz, ob in griechischer oder lateinischer Form, ist in den christlich geprägten Kulturkreisen das religiöse Hauptsymbol. Es ist vermutlich eine der am häufigsten verwendeten Formen in der Kunst. Herolds Kreuz entzieht sich dieser eindeutigen Zuordnung. Dazu trägt zum einen das ungeschnitzte Holz bei. Zum anderen wird durch die Gegenüberstellung der grundlegenden Praktiken von Religiosität und den saloppen Redewendungen ein Widerspruch erzeugt. So heben sich die Bedeutungen gegenseitig auf. Mit dem Verzicht auf jegliche Symbolik wird diese im selben Moment thematisiert. Diese Geste macht die simple Dachlattenkonstruktion zu einer künstlerischen Arbeit, die mit den Erwartungen des Betrachters spielt und so seinen Blick auf die Kunst erweitert. ML Literatur: Zweite, Armin (Hg.): Georg Herold. multiple choice [Ausst. Kat.]. Köln 2012. Winzen, Matthias (Hg.): Georg Herold [Ausst. Kat.]. Köln 2005.
Einblicke – Ausblicke. Spitzenwerke im neuen LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, hrsg. v. Hermann Arnhold, im Auftrag des Landschaftverband Westfalen-Lippe, Wienand Verlag, Köln 2014
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Maße
Höhe 218 cm Breite 250 cm Tiefe 6 cm
Material
Eichenholz, Dachlatten Inventarnummer
A-1288 LM Standort
Nicht ausgestellt 
