
Michel Lasne Allegorisches Reiterbildnis König Ludwig XIII. von Frankreich (1601–1643), 1634
Bei diesem großen Kupferstich arbeiteten Michel de Lasne und Jacques Callot zusammen, wobei Callot lediglich die Landschaft im Hintergrund stach. König Ludwig XIII. von Frankreich sitzt in modernem Harnisch zu Pferde. Mit einem Feldherrenstab nach vorn weisend, richtet der König den Blick auf den Betrachter, das Pferd hingegen wirkt konzentriert in seiner Haltung. Über dem im Hintergrund sichtbaren Schlachtfeld erhebt sich der siegreiche König auf einem Hügel. Über ihm bricht das Licht spektakulär durch die Wolken und bestrahlt ihn. Geflügelte Putten halten Palmzweige, Lorbeerkränze und Krone über den König. Das Pferd zeigt die sog. Levade, einer der schwierigsten Posen aus der Hohen Schule der Reitkunst. Dabei geht das Pferd mit den Hinterbeinen tief in die Hocke, sein Rumpf neigt sich in einem Winkel von nicht mehr als 45 Grad und hält die Vorderbeine eng an. Für einige Sekunden verharrt es in dieser Pose, bevor es aus der Spannung heraus zum Angriff galoppiert. Dergleichen Posen der hohen Schule der Reitkunst waren in illustrierten Traktaten wie in Federico Grisones „Ordini di cavalare“ (Neapel 1550) und in dem Buch des Reitlehrers Ludwigs XIII., Antoine de Pluvinel (1555–1620), „Manège royal“ (Paris 1623) verbreitet worden. Einige der frühesten Illustrationen der „Levade“ aus den Jahren 1617 bis 1620 finden sich in Pluvinels Werk. Der triumphierende König beherrscht nicht nur sein Pferd meisterlich, sondern ist auch Herrscher über seine Untertanen und erfolgreicher Kriegsherr: hier befiehlt er mit ausgestrecktem Kommandostab den Angriff. Denn er hat sowohl das Recht zum Offensivkrieg, aber ist auch in der Lage, Frieden herzustellen – eben im Sinne der von Jean Bodin formulierten Staatslehre von der Souveränität. Die Inschrift am unteren Rand des Stiches nennt die militärischen Erfolge des gerade 33 Jahre alten Königs, und nennt ihn „den Gerechten, den Frommen, den Glücklichen, den erhabenen (das waren die traditionellen Beinamen für einen römischen Kaiser!) und unbesiegten Triumphator“.
Gabriela Ussat
Liedtke, Walter: The royal horse and rider. Painting, Sculpture and Horsemanship 1500-1800, New York 1989, S. 238-240, S. 19-23.
Maße
Blatt Höhe 62.1 cm Blatt Breite 43.8 cm
Material
Papier Inventarnummer
C-9091 LM Standort
Raum 1.21