
unbekannt Reiterharnisch vom Grabmal des Obristen Georg von Holle (um 1513–1576) in der Marienkirche in Minden, um 1620/1630
Dieser und mindestens ein weiterer Harnisch flankierten in der Mindener Marienkirche das Hänge-Epitaph des Obristen Georg von Holle (um 1513–1576). Er ist, gemeinsam mit seiner Frau, im vollen Harnisch dargestellt, kann diesen jedoch nie getragen haben: Er stammt erst aus dem frühen 17. Jahrhundert, die Form kam um 1600 in den Niederlanden auf und war typisch vor allem für die Zeit des Dreißigjährigen Krieges.
Georg von Holle war seit spätestens 1542 als Soldatenführer aktiv, unter anderem gegen den Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und für den Bremer Erzbischof; im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 kämpfte er für Kaiser Karl V. Es folgten Jahre in kaiserlichen, dann in spanischen, ab 1560 in dänischen Diensten. 1576 starb er auf Haus Himmelreich bei Petershagen.
Der Dreiviertelharnisch verfügt über lange Beintaschen mit Kniekacheln, die Schienbeine blieben also ungeschützt, sie steckten lediglich in ledernen Reitstiefeln. Hinzu kommen ein Armzeug mit großer Schulter, Harnischbrust und -rücken sowie ein Mantelhelm; die Handschuhe fehlen heute. Die Brust ist so schwer und dick ausgeführt, dass sie sogar Pistolenschüssen standhielt. Der Helm hat ein aufklappbares Kinnreff und ein Spangenvisier, das mit einem Haken fixiert werden konnte.
Als 1838 in der Marienkirche umgebaut werden sollte, übernahm die 1825 gegründete „Westphälische Gesellschaft für vaterländische Cultur“ in Minden die Harnische für ihre Sammlung. Mit dem Ankauf der Mindener Sammlung 1868 kam zumindest der vorliegende Harnisch dann nach Münster.
Tarner, Patrick: Keine „Ritterrüstung“! Ein Reiterharnisch aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 262f.
- Erworben 1868 aus dem Nachlass der Westphälischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, Minden



