
unbekannt Minnekästchen mit Turnierszene, um 1330
Das Minnekästchen ist auf den ersten Blick recht unscheinbar. Es ist aus Ahornholz geschnitzt und farbig mit Tempera bemalt. Die adeligen Wappen, welche die kassettierten Seiten und den Deckel schmücken, sind jedoch von einer bräunlichen Patina überzogen, die sieben Jahrhunderte dem Kästchen verliehen haben. Erst beim Öffnen offenbart es den Betrachtenden sein Geheimnis. In leuchtenden Farben, findet sich die Szene einer sogenannten „Waffenreichung“ auf der Deckelinnenseite: Ein kniender Ritter erhält die Waffen zum Turnier – einen reich verzierten Helm und eine Lanze – aus den Händen seiner Dame; diese Szene ist dem Themenkreis der höfischen Minne(dichtung) entnommen. Der Begriff Minne stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet Liebe. Minne beschreibt in der mittelalterlichen Vorstellung jedoch nicht nur die (erotische) Zuneigung zwischen zwei Menschen, sondern auch die Liebe der Menschen zu Gott. Das Gitternetzmuster des Helms wiederholt sich in einigen Wappen auf der Außenseite des Kästchens, was darauf hindeutet, dass es sich um die Farben des Ritters handelt. Die drei Vögel auf den anderen Wappen mögen daher das Emblem der Dame darstellen. Aus dem Motiv der Malerei erklärt sich auch die Bezeichnung, die das Schnitzwerk mit der Zeit erhielt: Minnekästchen. In den europäischen Museen haben sich einige solcher kleinen Behältnisse aus Holz, Bein, Metall oder sogar Leder erhalten, deren Dekor einen amourösen Bezug hatte. Meist waren Liebespaare dargestellt, aber auch Symbole, Tiere und sogar erotische Motive. Auch, wenn es naheliegt, sie deshalb für Liebesgaben zu halten, gibt es heute keine eindeutigen Hinweise mehr, aus welchem Kontext sie stammten und welche Funktionen sie innehatten. Kathrin Hajok/Maren Terbrüggen
Maren Terbrüggen, Kathrin Hajok
Leihgabe des Bistums Münster
Maße
Höhe 6.75 cm Breite 18.8 cm Tiefe 10.2 cm
Material
Tempera, Ahornholz Inventarnummer
BM 317 Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
KdM_02_1979.pdf


