

Jan Baegert Anna Selbdritt mit zwei Aposteln und Karthäusermönch, um 1500/1510 (s. Lit. 2024)
Der Weseler Maler Jan Baegert führte spätestens nach dem Tod seines Vaters Derick Baegert um 1509 dessen produktive Werkstatt fort. Auch die Tafelbilder des Sohnes fanden weit über die Region am Niederrhein hinaus Verbreitung. Der Bestimmungsort des Gemäldes mit Maria und dem Kind, der Mutter Marias, Anna, den Aposteln Judas Thaddäus und Jakobus dem Älteren sowie einem knienden Kartäusermönch ist allerdings unbekannt. Im Hintergrund sind eine Kirche, ein Tor und ein weiteres Gebäude erkennbar, davor ein weiterer Kartäusermönch in der typischen weißen Tracht, die Kapuze über den Kopf gezogen, sowie ein Mann in einem gestreiften Gewand. Infrage käme die Kartause auf der Insel Grave, unweit von Wesel im Rhein gelegen. Der Vordergrund der Bildtafel ist durch eine Backsteinmauer als geschlossener Paradiesgarten (lateinisch hortus conclusus) gekennzeichnet. Dieses Motiv spielt auf die Jungfräulichkeit Marias an, welches sich auch hinter der im Spätmittelalter sehr beliebten Darstellung der »Anna Selbdritt«, das heißt der Madonna mit ihrer Mutter Anna, verbirgt. Auch die botanisch genau wiedergegebenen Blumen (Veilchen, Akelei) und der geflochtene Henkelkorb mit den Kirschen stehen für die Reinheit Marias; zugleich können das Violett der Veilchen und das Rot der Kirschen als Vorgriff auf die Passion Christi gedeutet werden. Die Birne, welche Anna dem Christkind auf dem Schoß der Mutter reicht, ist ebenfalls so zu verstehen. Die tordierte (gedrehte) Goldsäule zwischen Maria und Anna ist Sinnbild der Weltherrschaft Christi und ein Hinweis auf das Himmlische Jerusalem. Über den mutmaßlichen Auftraggeber der Malerei ist nichts bekannt. Wie üblich kleiner als die Heiligen dargestellt, wendet er sich mit der Bitte um Fürsprache vor Gottes Thron am Tag des Jüngsten Gerichts an Anna beziehungsweise Maria mit dem Christuskind. Der ihm zugeordnete Jakobus, erkennbar am Pilgerstab, könnte sein bevorzugter Schutzheiliger gewesen sein. Ebenso ist denkbar, dass der Altar, für den die Tafel bestimmt war, den Aposteln Judas Thaddäus und Jakobus dem Älteren geweiht war. PM Literatur: Kulturstiftung der Länder in Verbindung mit der Dortmunder Museumsgesellschaft zur Förderung der bildenden Kunst e. V. und des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund (Hg.): Jan Baegert. Die Heilige Sippe. Berlin 2008. Wolff, Ulrike: Hl. Anna Selbdritt mit den Aposteln Judas Thaddäus und Jakobus d. Ä. In: Jászai, Géza (Hg.): Imagination des Unsichtbaren. 1200 Jahre bildende Kunst im Bistum Münster (Bd. 2) [Ausst. Kat.]. Münster 1993. Kat. Nr. B 2.35. Pieper, Klaus: Die deutschen, niederländischen und italienischen Tafelbilder bis um 1530 [Best. Kat.]. In: Bußmann, Klaus (Hg.): Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Bestandskataloge. Münster 1986. S. 380–383. Tschira van Oyen, Gundula: Jan Baegert, der Meister von Cappenberg. Ein Beitrag zur Malerei am Niederrhein zwischen Spätgotik und Renaissance. Gesamtdarstellung und kritischer Katalog (Studien zur deutschen Kunstgeschichte 323). Baden-Baden 1972. Petra Marx: Anna Selbdritt mit zwei Heiligen und Karthäusermönch, um 1500/10, in: Einblicke – Ausblicke. Spitzenwerke im neuen LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, hrsg. v. Hermann Arnold, im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Wienand Verlag, Köln 2014, S. 90f.
Marx 2014
Leihgabe des Westfälischen Kunstvereins
Maße
Höhe 76.8 cm Breite 59.9 cm
Material
Öl, Eichenholz Inventarnummer
65 WKV Standort
Raum 1.08 




