
Werkstatt des Meisters von Liesborn Mitteltafel des Kreuzaltar-Retabels aus Liesborn, um 1465 – 1490
Diese Tafel gilt als Werkstattarbeit des berühmtesten Malers der westfälischen Spätgotik, des sogenannten Meisters von Liesborn. Seinen Notnamen erhielt der Künstler aufgrund seiner Arbeiten für das unweit von Soest gelegene Benediktinerkloster. Dieses Mittelstück eines ehemals mit beweglichen Flügeln – heute in London und Liesborn – versehenen Altaraufsatzes zeigt Szenen der Legende um das wahre Kreuz Christi. Links oben ist die Kreuzerscheinung des Kaisers Konstantin, darunter die Entdeckung und Erprobung der Wundermacht der Kreuzbalken durch seine Mutter Helena zu sehen. Rechts oben erscheint der Kampf des Kaisers Heraklius gegen Siroe, einen persischen Königssohn, dessen Vater die Kreuzreliquie aus Jerusalem geraubt hatte. Unten ist die triumphale Rückkehr des Kreuzholzes nach Jerusalem durch Heraklius, barfuß und im Büßergewand, im Jahr 630 dargestellt. Das Gemälde widmet sich dem zentralen Symbol der Christenheit und seiner kostbarsten Reliquie. Während Konstantin den Weg für den christlichen Glauben als neue Staatsreligion ebnete, lieferte seine Mutter mit der Entdeckung des „wahren Kreuzes“ den Beweis für die Erlösungskraft des Gottessohnes. Die Malereien wurden für den Kreuzaltar der Klosterkirche nach dessen Weihe 1465 in Auftrag gegeben. Hier feierte die Pfarrgemeinde die Heilige Messe, hier wurde wohl auch ein „echter“ Kreuzsplitter in einem leider verlorenen silbernen Kruzifixus präsentiert.
Marx, Petra: So genannter Meister von Liesborn, Werkstatt (?). Mitteltafel des Heilig-Kreuz-Retabels aus der Klosterkirche der Benediktinerabtei Liesborn, Münster oder Soest, um 1465/90 (LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Das Kunstwerk des Monats, September 2012), Münster 2012.
Karrenbrock, Reinhard: Kat.-Nr. 9.12, in: Sitar, Gerfried M. / Kempkens, Holger (Hg.): Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas [Ausst.-Kat. Benediktinerabtei St. Paul im Lavanttal, Kärnten 2009 / LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim 2011], Bd. 2, Regensburg 2009.
Heussler, Carla: De Cruce Christi, Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung: Funktionswandel und Historisierung in nachtridentinischer Zeit, Paderborn u. a. 2006.
Priever, Andreas: Anmerkungen zum Schicksal des Hochaltars und des Heilig-Kreuz-Altars der ehemaligen Klosterkirche Liesborn, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch LXV, 2004, S. 301–314.
Pieper, Paul: Die deutschen, niederländischen und italienischen Tafelbilder bis um 1530 [Best.-Kat. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1990), Münster ²1990, S. 254–260.
- o. J. (vor 1843)–1970 Sammlung Familie von und zur Mühlen, Bösensell
- 1970 erworben mit der Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen



