Altarretabel mit Passions- und Heiligenszenen aus Haldern, um 1450
Schon 1893 hatte sich der Westfälische Kunstverein um den Ankauf dieses monumentalen Altaraufsatzes (Retabel) bemüht, dessen Zugehörigkeit zum OEuvre eines bedeutenden westfälischen Malers mit dem Notnamen »Schöppinger Meister« oder »Meister des Schöppinger Altars« erkannt worden war. Neben dem namensgebenden Retabel im münsterländischen Schöppingen befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg ein dritter großer Altaraufsatz aus Soest in den Berliner Museen. Doch erst 1959 gelang dem Landesmuseum der Erwerb der um 1440/50 entstandenen Tafeln, die von ihrem Standort in der Pfarrkirche in Haldern (Niederrhein) in den Kölner Dom gelangt waren. Der kleine Kirchenbau in Haldern scheidet als ursprünglicher Bestimmungsort jedoch aus, der damit – wie so oft – unklar ist. Zentrales Thema des Halderner Retabels ist der fast 50 Personen umfassende »Volkreiche Kalvarienberg« – ein Motiv, das auch mit den großen Passionsspielen des Spätmittelalters zusammenhängt. Zuseiten der Kreuzigung sind weitere Stationen der Leidensgeschichte Christi wiedergegeben; links angeordnet sind die Ereignisse vor der Kreuzigung – Gebet am Ölberg, Gefangennahme, Geißelung, Dornenkrönung, Verspottung, Kreuztragung –, rechts sind die Geschehnisse nach der Kreuzigung dargestellt: Kreuzabnahme, Grablegung, Auferstehung, Befreiung von Adam und Eva aus der Vorhölle und zwei Magdalenenszenen (Magdalena am leeren Grab, Begegnung mit dem Auferstandenen). Die Außenseiten der Flügel zeigen links vier Szenen aus dem Leben Johannes’ des Täufers; die Deutung der vier Bilder mit einem heiligen Bischof – möglicherweise Martin oder Ludgerus – auf der rechten Außenseite ist bis heute unklar. Sollte es sich um Letztgenannten handeln, käme als ursprünglicher Standort des Retabels die Billerbecker Johanneskirche in Frage, wo Liudger 809 starb. Der Meister von Schöppingen gilt als der erste westfälische Maler, der bewusst Anregungen aus der damals modernen niederländischen Tafelmalerei aufgriff und eigenständig umsetzte. Dies zeigt sich besonders an der Behandlung des Lichts und der Oberflächen. In der hellen Farbigkeit steht seine Kunst dagegen eher in der Tradition seines Vorgängers Conrad von Soest (vgl. Text zu Conrad von Soest, Hl. Dorothea und Hl. Odilia aus St. Walburgis in Soest, Inv. Nrn. 2 WKV, 3 WKV). PK/PM Literatur: Stephan Kemperdick: Westfalen und die Küstenregion. In: Borchert, Till-Holger, u. Antje-Fee Köllermann (Hg.): Van Eyck bis Dürer. Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa 1430–1530 [Ausst. Kat.]. Brügge 2010. S. 221–229. Günter Warthuysen: Zur Geschichte des Halderner Altars. Irrtümer, Rätsel und drei Heilige als Wegbegleiter eines spätgotischen Kunstwerks. In: Jahrbuch des Kreises Wesel 22. Duisburg 2001. S. 36–42. Paul Pieper: Die deutschen, niederländischen und italienischen Tafelbilder bis um 1530 [Bestandskatalog]. In: Bußmann, Klaus (Hg.): Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Bestandskataloge. Münster 1986. S. 102–136. Petra Marx: Altaraufsatz mit Passions- und Heiligenszenen aus Haldern, um 1440/50, in: Einblicke – Ausblicke. Spitzenwerke im neuen LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, hrsg. v. Hermann Arnold, im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Wienand Verlag, Köln 2014, S. 76f.
Marx 2014
Maße
157.5 564.5
Material
, Inventarnummer
1038 LM Standort
Raum 1.10