











unbekannt Frechener Bartmannskrug mit Reliefauflagen und Zinndeckel, um 1610
Mit fast 42 cm ist der Krug ungewöhnlich hoch und mit sechs Reliefauflagen samt gedrehtem Henkel zudem reich verziert – er diente deshalb wohl weniger als Gebrauchs- denn als Repräsentationsgeschirr auf einer vornehmen Tafel. Da er mit hohen Temperaturen gebrannt und dadurch wasserundurchlässig war, konnten aus ihm Wasser, Bier, Wein oder Öl ausgeschenkt oder darin aufbewahrt werden, denn mit dem Zinndeckel – der von dem münsterischen Zinngießer Johann Berninck (gest. 1630) stammt – war er auch gut verschließbar.
Ihren Namen haben Bartmannskrüge von dem Gesicht eines Bärtigen am Hals – eine Gestaltungstradition, die sich im 16. Jahrhundert herausbildete. Eines der Produktionszentren für derartige Gefäße war Frechen bei Köln; dieser und andere rheinische Orte haben ihre Waren europaweit exportiert. In Westfalen selbst gab es als einzige große Töpferzentren nur Stadtlohn und Vreden.
Als besondere Reliefauflagen finden sich zum einen zwei Medaillons mit den sehr grob gestalteten Porträts römischer Kaiser. Die Umschriften identifizieren sie als Caesar und Augustus. Sie sind Münzen nachempfunden, die der Formschneider von Holzschnitten in dem Werk „Lebendige Bilder gar nach allen Keyseren …“ des Hubert Goltzius (1526–1583), Erstausgabe 1557, her kannte; zum anderen ein auf 1607 datiertes großes Wappen, von dessen 17 Einzelschilden nur einige wenige bisher identifiziert wurden. Weder das Wappen noch die Kaiserbilder sind anderweitig nachweisbar, der Krug gehört aber zu einer kleinen Gruppe derart kostbarer Gefäße mit drei oder mehr Reliefauflagen, die zwischen 1595 und 1613 datiert.
Thier, Bernd: Römische Kaiser in Westfalen. Ein Bartmannskrug mit Reliefauflagen aus Frechener Steinzeug, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 154f.
- Angekauft 1877 von Antiquitätenhändler Heinrich Kamping, Münster















