
unbekannt Relief mit Martyrium des hl. Erasmus, 1. Hälfte 15. Jh.
Erasmus, an seiner Mitra als Bischof erkennbar, liegt nackt bis auf einen Lendenschurz und an Füßen und Händen gefesselt auf einer Bahre. Sein Peiniger, der römische Kaiser Maximin (reg. 305–313), steht hinter dem grausamen Folterinstrument, einer Darmwinde, und hat sich leicht dem Gefolterten zugewandt. Er zeigt mit seiner Rechten auf Erasmus und schwingt in der linken Hand das übergroße Richtschwert. Ihn flankieren in spiegelsymmetrischer Haltung zwei Schergen, die auf seine Weisung hin die Winde betätigen.
Der heilige Erasmus wurde einer Legende zufolge 240 in Antiochia in Syrien geboren, wirkte dort als Bischof und verstarb 303/10 in Formia, Italien. Er war Opfer der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian und floh auf einen Berg im Libanon, wo er wundersam von Raben ernährt wurde. Nach sieben Jahren kehrte er in sein Bistum zurück, wo er festgenommen und gefoltert wurde. Zu seinen Martern, die er dank seines Glaubens alle überlebte, zählte das brutale Ausdärmen, also das Herausziehen des Darmes bei lebendigem Leib.
Aufgrund der reichen Alabaster-Vorkommen in England kam es zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert zu einer regelrechten Alabaster-Industrie, unter anderem in der Gegend von Nottingham. Bei der überwiegenden Zahl der dort entstandenen Kunstwerke handelt es sich um kleine Formate, die als beliebte, preisgünstige Exportgüter auch nach Deutschland kamen. Das Erasmus-Relief des Altertumsvereins wird man aus heutiger Sicht eher als durchschnittliche Massenware bezeichnen dürfen. Sein Zustand ist fragmentarisch, und es kann nicht festgestellt werden, ob und wie es womöglich in einen größeren Zusammenhang, zum Beispiel ein Altarretabel mit weiteren Heiligenszenen, eingefügt war.
Marx, Petra: Grausamer Tod in aller Öffentlichkeit. Ein Relief mit dem Martyrium des Heiligen Erasmus, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 100f.
- Gefunden 1811 im Kloster St. Mauritius et Simeon in Minden
- Erworben 1868 aus dem Nachlass der Westphälischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, Minden



