Harlinger Teller, 2. Hälfte 17. Jh.
In manch einem Haushalt hängen noch heute Tellerborde über der Eckbank um den Esstisch oder stehen Tellerreihen auf der Anrichte und dem Kaminsims. Nicht anders in früheren Jahrhunderten: Repräsentative, bunt verzierte Teller dienten vor allem Dekorationszwecken und sollten zeigen, was man hatte. In adligen oder bürgerlichen Stuben waren dies eher Gemälde, Grafiken und kostbares Kunsthandwerk, in niedrigeren sozialen Schichten gerne solches Tischgeschirr.
Der tiefe Teller, der einen nach links springenden, zurückblickenden Hund zeigt, hat ein Gegenstück mit einem davonhüpfenden Hasen. Eine stark stilisierte Landschaft aus mit einem Schwamm aufgetupften lilafarbenen Bäumen rahmt die Tiere auf dem sogenannten Spiegel. Die Fahne trägt ein ausladendes Ornament und ist wie alles andere mit dem Pinsel ausgeführt.
Die Vorderseiten sind mit einer deckenden, weißen Zinnglasur, die Rückseiten mit einer transparenten, leicht grünlichen Bleiglasur überzogen. Die Bezeichnung für derartige Keramik ist Fayence, in den Niederlanden sagt man Majolika, abgeleitet vom Spanischen „obra de malica“, also „Ware aus Malaga“. Typisch für friesische Majolika sind die geschwämmelten Verzierungen, die Motive sind europäisch geprägt, vor allem Tiere: Vögel, Pferde, Bären, Ziegen, Hunde, Hasen, Hirsche. Inspiration gaben fast immer grafische Vorlagen des 16. Jahrhunderts, oft aus Fabelbüchern. Ein Produktionszentrum für solche Teller und Schüsseln war vom 16. bis 20. Jahrhundert Harlingen, neben Bolsward oder Makkum.
Thier, Bernd: Wo sich Hund und Hase begegnen. Teller aus Friesischer Majolika, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 172f.
- Erworben in Heek-Nienborg (Kr. Borken)