
Ludger tom Ring, der Jüngere Porträt einer Dame am Fenster, um 1560
Entschlossenheit und eine kühle Distanz zu den Betrachtenden vermittelt die junge Dame am Fenster. Der 1522 in Münster geborene Ludger tom Ring d.J. zeigt uns ein ausdrucksstarkes Porträt, das viel über das Leben der Dame verrät: Von ihrem adeligen Stand erzählt zunächst ihr aufwändiger Schmuck, die beiden Halsketten und ihre drei Ringe. Die Kleidung ist von erlesener Qualität und auf dem bestickten Gürtel finden sich dekorative Initialen, vielleicht die Anfangsbuchstaben ihres Namens?
Das Fenster in der linken oberen Bildecke ist angeschnitten, vermutlich setzt es sich auf einem bislang nicht bekannten Porträt eines Mannes fort. Unsere Bild würde sich damit als rechter Teil eines Doppelporträts, eines Hochzeits- oder Verlöbnisbildnisses, erweisen. Die Stadtlandschaft wäre dann nicht eine reale Außenansicht, sondern die Vorstellung einer Welt, die sich das Paar im mutigen gemeinsamen Ritt ‚erobern‘ will. Treue und Beständigkeit signalisiert unsere Dame mit der eingesteckten Nelke und dem Thymianzweig. Die Kirschen auf dem Fenstersims sind ein doppeldeutiges Zeichen: aus Marienbildern bekannt, stehen sie für das Blut Christi und zeigen die Gottesfürchtigkeit der jungen Frau, sie verweisen aber auch auf den Genuss paradiesischer Süße.
Raumgreifend zeigt sich das golden gerahmte Familienwappen rechts im Bild. Der dort abgebildete Kesselhaken lässt sich aber nicht eindeutig einer bestimmten Familie zuweisen. So bleibt noch ungeklärt, welchen Namen die junge Dame trägt, die 1560 die Dienste des in Antwerpen tätigen und wegen seiner Porträtkunst so geschätzten Malers in Anspruch nahm.
Lorenz, Angelika (Hg.): Die Maler tom Ring [Ausst.-Kat. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1996], 2 Bde., Münster 1996.
Luckhardt, Jochen (Hg.): Das „Küchenstück“ von Ludger tom Ring d. J. (1562), Kunst in Antwerpen zwischen Münster und Braunschweig, Braunschweig 2013.
Nissen, Robert: Über einige Selbst- und Familienbildnisse der tom Ring, in: Westfalen – Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde. Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Bd. 40, H. 3, Münster 1962, S. 308–314.
- (o. J. Heintze-Weißenrode, Niendorf)
- […]
- o. J. (wohl seit vor 1930 bis spät. 1936) Jakob Goldschmidt, Potsdam/Berlin
- 23.06.1936 Auktion Hugo Helbing, Frankfurt a. M.
- [...]
- (o. J.–1994 Werner Family)
- 09.12.1994 Auktion Christie’s, London
- wohl 1994–1995 Kunsthandel Frye &
- Sohn, Münster
- 1995 erworben mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen



