





Jean-Henri Nadermann Harfe, 1774
Diese Harfe ist ein Spitzenstück der Instrumentenbaukunst des 18. Jahrhunderts. Sie stammt von dem Instrumentenmacher Jean-Henri Nadermann (1734–1799), der unter anderem Hoflieferant der französischen Königin Marie Antoinette (1755–1793) war und ihr mindestens zwei seiner Harfen verkaufte. Entsprechende Stücke waren aufgrund ihrer technischen Vollkommenheit und Schönheit insbesondere beim Adel beliebt.
Das Instrument in Münster gehörte ursprünglich vermutlich Adelheid Amalia Fürstin von Gallitzin, geb. Gräfin Schmettau (1748–1806), die es als Geschenk ihres Mannes erhalten hatte. Sicher ist das allerdings nicht, da es keine zeitgenössischen Berichte davon gibt, dass die Fürstin diese Harfe tatsächlich gespielt hat. In Benutzung war die Harfe sicherlich im Hause von Christoph Bernhard Schlüter (1801–1884), dem Sohn von Clemens August Schlüter, der die Harfe aus dem Nachlass der Fürstin erworben hat, wie der Zettel am Fuß der Harfe festhält. Schlüter, der Philosoph, Philologe und Freund von Annette Droste-Hülshoff, schätzte die Harfe sehr und spielte sie selbst bei seinen Hauskonzerten.
Mit der Datierung auf 1774 ist sie eine der frühen bekannten Nadermann-Harfen. Den Harfenkopf bildet eine große Akanthusvolute, in deren Mitte sich eine Rosette befindet. Um die Harfenstange oder Säule winden sich schmückende Lorbeerzweige. Die Decke des Resonanzkörpers ist mit einer dekorativen Lackmalerei aus „Vernis Martin“ versehen, welche asiatische Lacke imitiert und auf die Brüder Guillaume, Etienne-Simon, Robert und Julien Martin im 18. Jahrhundert zurückgeführt wird. Sie zeigt Blumen, Blätter und Früchte sowie Musikinstrumente und eine Malerpalette, die in der Art von Trophäen arrangiert und an Bändern übereinander aufgehängt sind.
- 1971 angekauft von Tilla Schlieper, Marquartstein.





