Sakristeischrank aus Metelen, um 1270/1290
Der separaten Verwahrung der häufig verwendeten Kirchengeräte wie Kelch, Patene und Messbuch dienten des öfteren verschließbare Holzschränke wie dieser Hängeschrank aus der Sakristei der ehemaligen Kanonissenstiftskirche SS. Cornelius und Cyprianus in Metelen. Der schlichte hausförmige Kasten aus widerstandsfähigem Eichenholz besitzt eine aufwendiger gestaltete Frontseite. Das Zentrum bilden zwei mittels Scharnieren und Zugringen zu öffnende Klappläden – der obere mit dreieckigen Abschluss –, die die beiden Etagen des Schrankes jeweils separat zugänglich machen und die einst verriegelt werden konnten. Das untere Frontbrett ist mit einem einfachen, aber effektvollen Dekor aus Zirkelkreisen versehen: Eine Reihe aus vier unten angeschnittenen Doppelkreisen wird jeweils von Spitzen bekrönt, die diesen die Gestalt von gotischen Dreipässen verleihen. Die Zwickel füllen fünf kleinere Doppelkreise. Drei solcher Doppel- bzw. Viererkreise finden sich auch auf dem Giebelbrett über der Spitze der oberen Klappentür. Die Giebelkanten zieren jeweils profilierte Ringe, von denen die meisten heute beschädigt oder abgebrochen sind. Sie sind als abstrahierte Krabben zu verstehen, die vermutlich in einem Blatt oder Kreuz an der Giebelspitze ausliefen. Die genannten stilisierten Gestaltungsmotive der frühen Hochgotik erlauben eine Datierung des Schrankes in die Zeit um 1270/90, womit er zu den ältesten erhaltenen Kirchenmöbeln Westfalens gehört. H. Kempkens 2012 Literatur: Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen [Ausst. Kat.], Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kultur, Domkammer des Bistums Münster, München 2012, Kat. Nr. 263 (Holger Kempkens).
Kat. Goldene Pracht 2012
Maße
118 53 27
Material
, Inventarnummer
K-59 LM Standort
Nicht ausgestellt