
unbekannt Marienschrein, um 1330
Der schlichte, hausförmige Schrein setzt die Tradition der rhein-maasländischen Reliquienschreine fort. Aus der Zeit der frühen Gotik sind vergleichbare Schreine nicht erhalten geblieben. So gesehen stellt die Arbeit eine Rarität dar. Die Schmalseiten des Schreins zeigen die die Reliefs einer stehenden Muttergottes mit dem Jesuskind und eines heiligen Königs mit Lilienszepter zwischen Rosetten und Kreuzornamenten mit gespaltenen Balkenenden [Auf älteren Aufnahmen befindet sich die Marienfigur noch an der Längsseite]. Die beiden Reliefs der Längsseiten sind nicht erhalten. Sie waren ähnlich wie die beiden erhaltenen Reliefs zwischen Rosetten und Vierpässen mit gekröntem Jünglingskopf eingesetzt. Dieselben Zierelemente - sechsblättrige Rosetten und Vierpässe - schmücken auch die vier Seiten des Schreindachs. [...]. Stilistisch erinnern die Treibarbeiten des Schreins an den Figurenstil der Zeit um 1300/30, der besonders noch heute in der Stadt Köln und im südlichen Westfalen (Soest, Cappenberg) nachzuweisen ist [Sowohl die Figuren als auch die Schmuckelemente könnten aus Modeln geformt seien. Motive wie der gekrönte Jünglingskopf finden sich auch im zeitgenössischen profanen Schmuck]. Géza Jászai/PM Literatur: Imagination des Unsichtbaren. 1200 Jahre Bildende Kunst im Bistum Münster [Ausst. Kat.] Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1993, Bd. 2, Kat. Nr. B 5.3 (Géza Jászai).
Jaszai 1993
Leihgabe des Bistums Münster
Maße
Höhe 28.2 cm Breite 50.7 cm Tiefe 24.6 cm
Material
Holz, Kupfer Inventarnummer
BM 321 Standort
Raum 1.03 


