
unbekannt Buchdeckel mit thronender Maria mit Kind und zwei Leuchterengeln, um 1330 – 1340
Die bei der Messfeier benutzten liturgischen Bücher wie Evangeliar oder Missale wurden in der Regel mit kostbaren Einbänden versehen. Hiervon zeugt auch der Buchdeckel mit der thronenden Muttergottes und dem Jesuskind, der aus einer Eichenholzplatte mit teilvergoldetem Silberbeschlag gearbeitet und auf dem Rahmen mit Bergkristallen, Edelsteinen und Glasflüssen besetzt ist. Seine Herkunft ist unbekannt, doch bildete er ehemals zusammen mit drei weiteren Deckeln (Verkündigung, Kreuzigung, Majestas Domini) eine Vierergruppe, die um 1330/40 wohl in Münster entstanden ist; gerade der Faltenstil sowie die Haar- und Gesichtsbildung der Figuren lassen sich mit Münsteraner Goldschmiedearbeiten – etwa einem Buchdeckel mit Kreuzigung aus Ascheberg (Inv.-Nr. T-512 LM) oder der Laurentius-Statuette aus Senden (Inv.-Nr. H 12 LM) – vergleichen. Im Zentrum des Buchdeckels thront Maria frontal auf einer Thronbank, die Füße auf einen Schemel gestellt, dessen Unterseite mit sieben strahlenförmig angeordneten Pfeilen verziert ist. Mit ihrem Oberkörper und Kopf wendet sie sich ihrem Sohn zu, der auf ihrem linken Oberschenkel sitzt und den sie mit beiden Händen stützt, so dass eine innige Beziehung zwischen den beiden entsteht. Der Jesusknabe selbst blickt lächelnd den Betrachter an; in seiner linken Hand hält er ein Buch, seine Rechte ist segnend erhoben. Ihm huldigen zwei auf der Thronbank stehende Engel, die brennende Kerzen in den Händen halten und mit ihren ausgebreiteten Flügeln die Hintergrundfläche beleben. Überfangen wird die Gruppe von einem flachen Dreipassbogen, unter dem mittig genau über dem gekrönten und nimbierten Kopf Marias die Sonne erscheint. Einige der genannten Besonderheiten in der Darstellung lassen sich symbolisch deuten: So verkörpert Christus etwa die neue Sonne, den Himmelskönig, dem die Lichtträger assistieren, und den Logos, wenn man die Pfeile unter dem Thronschemel mit Augustinus als Worte Gottes deutet. Maria wiederum erscheint als königlicher Thron für Christus, Sonne und Königin der Engel. Sabine Treude Literatur: Schnitzler, Hermann, Bloch, Peter und Charles Ratton: Email, Goldschmiede- und Metallarbeiten. Europäisches Mittelalter. Sammlung E. und M. Kofler-Truniger Luzern, Bd. 2, Luzern/Stuttgart 1965, Kat.-Nr. E 131, S. 44, Taf. 74. Imagination des Unsichtbaren. 1200 Jahre Bildende Kunst im Bistum Münster, Ausstellungskatalog Münster 1993, Bd. 2, hrsg. von Géza Jászai, Münster 1993, Kat.-Nr. B 1.2, S. 378-380 (Géza Jászai). Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen, Ausstellungskatalog Münster 2012, hrsg. vom Bistum Münster u.a., München 2012, Kat.-Nr. 160, S. 320-323 (Holger Kempkens/Hildegard Schäfer).
Petra Marx
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- Vor 1861 Prinz Peter/Pierre Soltykoff, Paris
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- 1891 Baron Achille Seillière, Mello, Frankreich
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- Nach 1915 Georges Chalandon, Lyon
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- Vor 1964-1971 E. und M. Kofler-Truniger, Luzern
- 1971-1986 Keir Collection, Edmund de Unger, London
- 1986 Thomas Agnew &
- Sons, London
- 1986 angekauft von Thomas Agnew &
- Sons, London.
Maße
Höhe 40 cm Breite 28 cm Tiefe 4 cm
Material
Silber Inventarnummer
T-1006 LM Standort
Raum 1.03 Kunstwerk des Monats
KdM_01_1987.pdf


