
Meister des Utrechter steinernen Frauenkopfs Heilige Maria Magdalena, um 1520/30
Jaap Leeuwenberg schrieb die Figur der heiligen Maria Magdalena 1955 dem Werk eines Künstlers zu, der in der Zeit von ca. 1490 bis 1525 der führende Bildhauer in Utrecht war. Da sein Name unbekannt ist, wurde er mit einem Notnamen nach der Büste einer Frau im Utrechter Museum Catharijneconvent benannt. Die Figuren dieses sogenannten Meisters des Utrechter steinernen Frauenkopfes und seiner Werkstatt spiegeln stilistisch den Beginn der Renaissance wider. Ihnen allen gemeinsam sind weiche, ovale Gesichter mit hoher Stirn, gewellten Haaren, breiten Nasenflügeln und einem runden Kinn.
Die heilige Maria Magdalena ist vom Figurentyp her stark mit der Figur der Heiligen Dorothea im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum verwandt. Aufgrund der unterschiedlichen Größe beider Figuren ist jedoch auszuschließen, dass sie aus demselben Kontext stammen. Der Ort, für den die Figur der Magdalena bestimmt war, ist nicht überliefert.
Maria Magdalena ist anhand des Salbgefäßes zu identifizieren, das sie in den Händen hält und mit dem sie Christus die Füße salbte. Gekleidet ist sie wie eine reiche Bürgerin der Renaissance, also in zeitgenössische Kleidung. Sie trägt über einem Untergewand ein bodenlanges Kleid mit weiten, geschlitzten Ärmeln und einem Mieder über einem weißen Hemd. Auf ihrem Kopf sitzt eine Haube mit seitlichen Hörnern, um die ihre Zöpfe gewickelt sind und von denen zwei Tücher auf die Brust herabhängen. Die original erhaltene, farbige Bemalung vollendet das Erscheinungsbild der Figur.
Leeuwenberg, Jaap: Een nieuw facet aan de Utrechtse Beeldhouwkunst, I, in: Oud Nederland 70, 1955, S. 82–95.
Leeuwenberg, Jaap: Die heilige Dorothea und der Meister des Utrechter steinernen Frauenkopfs, in: Aachener Kunstblätter 34, 1967, S. 175–193.