

Glashütte Potsdam-Zechlin Pokal mit Monogramm "C", um 1737 – 1743
Goldrubinglas ist die Krönung der barocken Glaskunst. Aufgrund seiner entscheidenden Zutat, Gold, galt es als eigenständiges Material. Die Entwicklung eines Rezepts zur Herstellung hohlgeblasener Goldrubingläser ist Johannes Kunckel (um 1630–1703) zu verdanken, der als Alchemist und Glasmacher auf der Berliner Pfaueninsel experimentierte.
Das Geheimnis der Rotfärbung besteht darin, das Gold in einer Mischung aus Salpeter- und Salzsäure zu lösen und mit einer Zinnlegierung zu vermischen. Diese Mischung wird der Glasmasse hinzugefügt. In einem Glasofen erhitzt und in die gewünschte Form geblasen, ist das Gefäß nach dem Erkalten jedoch zunächst klar. Erst erneutes Erhitzen, das sogenannte Tempern, erzielt die gewünschte rubinrote Farbe. Kunckel perfektionierte diesen heiklen Vorgang und stellte Rubingläser höchster Qualität her.
Der Münsteraner Pokal entstand wahrscheinlich erst Ende der 1730er- oder Anfang der 1740er-Jahre, steht aber noch in der Tradition der „Kunckel-Gläser“. Er besitzt einen gewölbten Fuß, einen balusterartigen Schaft und eine glockenförmige Kuppa, die eigentliche Trinkschale. Die Kuppa ziert ein „C“, das vermutlich auf den ehemaligen Besitzer oder die ehemalige Besitzerin verweist, und besticht durch seine rubinrote Farbe. Doch nur im richtigen Licht erscheint der Pokal dunkelrot, denn bei genauem Hinsehen sind im unteren Bereich der Kuppa und am Schaft gelbliche und orangerote Schlieren zu erkennen.
1951 erwarb das Museum das kostbare Trinkgefäß bei einer Versteigerung im Hotel Atlantic in Hamburg. Es ist das einzige Rubinglas in der Sammlung und ein bedeutendes Zeugnis der Faszination für Alchemie und Glaskunst.
Kunckel, Johannes: Ars vitraria experimentalis, Frankfurt am Main u. a. 1689, https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10910716? [14.05.2025].
Das großherzoglich-mecklenburgische Silber. Golddosen und Galanterien. II. Teil. Glassammlung W.-Berlin. Verschiedener Kunstbesitz […]. Versteigerung am 29. und 30. März 1951 in Hamburg im „Hotel Atlantic“, Hamburg 1951, S. 47, Nr. 245.
Kerßenbrock-Krosigk, Dedo von: Rubinglas des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts, Mainz 2001
Kerßenbrock-Krosigk, Dedo von: Glass of the Alchemists. Lead Crystal – Gold Ruby, 1650–1750 [Ausst.-Kat. The Corning Museum of Glass, 2008], Corning 2008.
Spiegl, Walter: Johann Kunckel und die Erfindung des Goldrubins, 2022, http://www.glas-forschung.info/pageone/pdf/ruby_01%202022.pdf [14.05.2025], erweiterte Fassung des gleichnamigen Aufsatzes in: WELTKUNST 19/1988, S. 2819–2821.
- 1951 angekauft Dr. Rudolph, Hamburg.


