

unbekannt Messergriff mit Liebespaar, 18. Jh.
Bestecke nicht-adliger und nicht-bürgerlicher Herkunft sind heute nur sehr selten überliefert. Dieser Messergriff wurde, wie aufwendige Nachforschungen ergaben, wohl von Seefahrern auf den niederländischen friesischen Inseln im 18. Jahrhundert hergestellt. Das Material war Holz, aber auch – wie hier – sogenanntes „nordisches Elfenbein“, also von Walrössern und Narwalen. Elfenbeinerne Vergleichsstücke kennt man aus Nijmegen, hölzerne aus Amsterdam; zwei davon tragen die Jahreszahlen 1761 und 1782. Archäologische Funde in Deutschland sind selten, ein ähnliches Stück mit drei Figuren, Glaube, Liebe, Hoffnung symbolisierend, kam 2011 in der Altstadt von Bremen zutage.
Der kleine Griff, in den einst eine eiserne Klinge, die wohl zusätzlich mit einer Manschette aus Buntmetall gesichert war, eingelassen war, zeigt zwei sich umarmende Figuren. Links ist es eine unbekleidete Frau, rechts ein unbekleideter Mann, deren beider Schenkel sich umschlingen; beide Figuren schauen dabei die Betrachtenden und nicht sich selbst an. „Obwohl oder gerade wegen der erotischen Anspielung könnte das Messer ursprünglich auch ein Verlobungs- oder Hochzeitsgeschenk bzw. eine Liebesgabe gewesen sein.“ (Thier 2025)
Thier, Bernd: Erotisches zum Anfassen. Ein „obszöner“ Messergriff aus den Niederlanden, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 142f.
- Gefunden um 1840 wohl in der Nähe von Xanten (Kr. Wesel)
- Erworben 1843





