
unbekannt Thronende Maria mit Kind als Himmelskönigin mit rückseitiger Reliquienöffnung (Thron), 1. H. 14. Jh. (?)
Die breit gelagerte Madonna nimmt fast die gesamte Sitzfläche des Thrones ein. Der vor dem Oberkörper aufgeschlagene, schwere Mantel gibt den Blick frei auf die jugendliche Brust unter dem Kleid, das in der Taille gegürtet und am Hals mit einer Brosche geschmückt ist. Das auf dem linken Arm Marias sitzende Christuskind scheint spielerisch in die auf dem Kleid liegende Verschlussschnur, die sogenannte Manteltassel zu greifen. Es ist denkbar, dass auch der verlorene Arm Marias angewinkelt und an die Tasselschnur gelegt war (vgl. Inventar-Nummer L-1009 LM). Besonders bemerkenswert ist eine querrechteckige, offenbar verschließbare Öffnung auf der Rückseite des Throns, die wohl der Aufnahme von Reliquien diente. Unklar ist, wie man sich den ehemaligen funktionalen Kontext der kleinformatigen Arbeit vorstellen muss. Trotz der starken Beschädigungen zeigt sich eine hohe künstlerische Qualität. Zu ergänzen wären neben dem Christuskopf bzw. dem rechten Arm und den Füßen der Maria ihre Elfenbein- oder Edelmetall-Krone. Das altertümliche Tassel-Motiv und die flächige Anlage der Figur könnten für eine Entstehung in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts sprechen.



