



unbekannt Sammelbüchse des Schmiedeamts in Kamen, 1727
„DIESES IST DIE SHMIEDENAMPT / BUS DIE BEYDE AMPT MEISTER IO/CHEM · FRIEDERICHS · UND · DIEDE/RICH FRIDERICHS · HAD · MELHERT/EGGERS · HAT DIESES · FEREHRE/T · ANNO 1727.“ So steht es, sprachlich und handwerklich einigermaßen unbeholfen, in dem großen, bekrönten Inschriftenfeld auf der Büchse aus getriebenem Kupferblech, die nur schlicht mit kleinen Buckeln verziert ist. Die Büchse hat also ein Melchior Eggers 1727 wohl im Namen der zwei Amtsmeister gestiftet.
Bisher wurde die Büchse, die über einen Einwurfschlitz und einen Überwurf für ein Vorhängeschloss verfügt, dem Schmiedeamt in Münster zugewiesen. Sie gehört jedoch nach Kamen: Der dortige Amtsgerichtssekretär August Ziesche schenkte sie 1883 dem Altertumsverein. 1685 hatten sich die Gesellen der Schmiede, Rademacher, Schreiner und Kannegießer neue Statuten gegeben; unter anderem sollten in einer Büchse Gelder der Mitglieder gesammelt werden. 1727 scheint dann eine neue Büchse notwendig geworden zu sein. Die Krone könnte dabei auf das Königreich Preußen hinweisen, wo seit 1722 die Zünfte privilegiert wurden.
Vereinigungen der Gesellen bildeten sich neben den Zünften der Meister schon seit dem Spätmittelalter. Zur Sachkultur, die wie Laden, Fahnen, Prozessionsstangen, Herbergsschilder oder Trinkgeschirre vornehmlich der Repräsentation galten, zählen auch praktische Gegenstände wie eben Sammelbüchsen. In Zeiten vor einer staatlichen Armenfürsorge, etabliert im frühen 19. Jahrhundert, sorgten speziell Zünfte und Ämter, also genossenschaftliche Verbände von Gewerbetreibenden, als Solidargemeinschaft auch für in Not geratene oder sonstwie bedürftige Mitglieder und deren Angehörige. Spenden, aber auch Prüfungs- und Strafgebühren sowie Eintrittsgelder wurden von den Gesellen gesammelt und nicht nur für Geselligkeiten ausgegeben.Reininghaus, Wilfried: Dieses ist die Schmiedenampt Büs. Die Sammelbüchse des Schmiedeamts in Kamen, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 210f.
- Geschenkt 1883 von Amtsgerichtssekretär August Ziesche, Kamen







