
Käthe Kollwitz Selbstbildnis im Profil nach rechts, 1938
Selbstbildnisse als Spiegel der Seele oder auch zur Identitätsfindung und Selbstvergewisserung spielten vor allem bei Künstlerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Rolle. Sie strebten nach künstlerischer Ausbildung und versuchten, sich in einer männlichen Domäne durchzusetzen. Wenigen ist es wie Käthe Kollwitz gelungen, eine erfolgreiche künstlerische Laufbahn mit dem Dasein als Hausfrau und Mutter zu verbinden und zugleich so offen und unempfindlich die eigene Person zu betrachten. In ihren Darstellungen ging es ihr vor allem um die Wahrheit, kompromisslos und konsequent: „Ich will wahrhaft, echt und ungefärbt sein.“ Dies wird besonders auch beim Selbstbildnis im Profil nach rechts augenfällig, das sie 1938 als betagte, vom Leben gezeichnete Frau zeigt. Schonungslos gibt sie das Alter wieder. Oberkörper und Kopf sind deutlich sichtbar dargestellt. Sie steht isoliert mit eingefallenen Schultern im Bildfeld, der müde Blick schweift in die Ferne. Das Gesicht ist tief verschattet, die dunkle Physiognomie gibt ihm etwas Skulpturales, gleichsam Stoisches. Ihr von Schicksalsschlägen geprägtes Leben – der frühe Tod des Sohnes Peter, der im Ersten Weltkrieg gefallen war, nicht zuletzt der 1933 durch die Nationalsozialisten erzwungene Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste und das 1935 erfolgte Ausstellungsverbot – hatten seine Spuren hinterlassen. Die Selbstbildnisse Käthe Kollwitz’ sind ein bedeutender Bestandteil ihres Œuvres und meist als grafische Werke ausgeführt. Erst als reife Künstlerin setzte sie ihr Porträt auch plastisch um. Mit extremer Strenge reflektierte sie immer wieder und über Jahrzehnte und Schicksalsschläge hinweg das eigene Ich. Prüfende Selbstbefragungen bestimmen ihre Darstellungen, die sich neben dieser intensiven Beschäftigung mit sich selbst vor allem durch hohes zeichnerisches Können auszeichnen. TPM Literatur: Agnes Tieze (Hrsg.), Käthe Kollwitz – Akt im Fokus (Ausstellungskatalog Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg), Köln 2013 Hannelore Fischer / Alexandra von dem Knesebeck (Hrsg.), „Paris bezauberte mich …“. Käthe Kollwitz und die französische Moderne (Ausstellungskatalog Käthe Kollwitz Museum Köln), München 2010 Alexandra von dem Knesebeck, Käthe Kollwitz. Werkverzeichnis der Graphik, 2 Bde., Bern 2002 Jutta Hülsewig-Johnen, Käthe Kollwitz. Das Bild der Frau (Ausstellungskatalog Kunsthalle Bielefeld und Stiftung Museum Schloß Moyland), Bielefeld 1999
Tanja Pirsig-Marshall
Maße
Blatt Höhe 64 cm Blatt Breite 48.2 cm
Material
Papier Inventarnummer
C-7227 LM Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
KdM_07_2017.pdf


