

Conrad Felixmüller Ruhrrevier II (Vs.), Der Geburtstagsbrief (Rs.), 1920 (Vs.), 1934 übermalt und rückseitig neu bemalt mit dem "Geburtstagsbrief"
Das mit dem Gewinn des Sächsischen Staatspreises 1920 erhaltene Stipendium nutzte Conrad Felixmüller nicht für einen eigentlich vorgesehenen Aufenthalt in Rom, sondern reiste gemeinsam mit seiner Frau Londa ins Ruhrgebiet. Die dort im Sommer und nach seiner Rückkehr im Dresdner Atelier entstandenen Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken gelten als zentrale Werke des Künstlers. Zu dieser Zeit von kommunistischen Idealen geleitet, schuf er sie „nicht in Bewunderung der Industriegiganten, sondern in mitfühlender Bewunderung der damit verbundenen Menschen“ (Felixmüller 1981, S. 90f.).
In „Ruhrrevier II“ tauchen drei bewaffnete Arbeiter, wohl Streikposten der proletarischen Ruhrmiliz, vor den perspektivisch bedrohlich verschobenen und in fahl glühenden Farben gemalten Fassaden einer Fabrik auf. Was er im Ruhrgebiet sah und erlebte, machte nachhaltigen Eindruck auf Felixmüller und seine Werke fanden unter anderem in einer 1923 gezeigten Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie große Aufmerksamkeit. Die Kritik lobte den „kompromisslosesten, schroffen Gestalter proletarischer Existenz“ als eine der „markantesten Potenzen der Gegenwart“ (Felixmüller 1981, S. 25). Das zu Lebzeiten des Künstlers nicht veräußerte Gemälde übermalte Felixmüller während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Januar 1934 nutzte er die Rückseite für den „Geburtstagsgruß“ – eine Darstellung seiner Frau mit dem Sohn Titus, aus dessen Besitz das Werk in die Museumssammlung gelangte.
Conrad Felixmüller an Heinrich Kirchhoff, Brief vom 27.07.1920, in: Conrad Felixmüller. Werke und Dokumente, hg. vom Archiv für Bildende Kunst am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Klagenfurt 1981.
Gerhart Söhn, Engagierte Grafik eines Humanisten, in: Conrad Felixmüller. Werke und Dokumente, hg. vom Archiv für Bildende Kunst am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Klagenfurt 1981, S. 23–28.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 137f.
Erworben mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen
- bis 1983 Nachlass des Künstlers
- 1983 erworben mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen





