Anbetung der heiligen drei Könige, 1601 – 1700
Diese „Anbetung der heiligen drei Könige“ ist die Arbeit eines unbekannten, wahrscheinlich niederländischen Malers, der auf ein großes Vorbild zurückgegriffen hat: Zwischen 1616 und etwa 1619 schuf der große flämische Meister Peter Paul Rubens (1577–1640) für die Johanneskirche in Mechelen ein Triptychon für den Hochaltar, dessen zentrales Bild – eine Anbetung der Könige – im 17. Jahrhundert hochberühmt war und oft kopiert wurde. Weite Verbreitung erfuhr die Rubens‘sche Bildidee unter anderem durch einen Kupferstich von Lucas Vorstermann d. Ä. (1595–1675), den möglicherweise auch der Maler des vorliegenden Gemäldes gekannt hat. Der Rückgriff auf eine Grafik und nicht auf das Original von Rubens würde erklären, wieso das Sujet nun seitenverkehrt erscheint. Aus dem Hochformat bei Rubens machte der unbekannte Maler ein Querformat, weshalb er diverse Figuren aus dem Zug der heiligen drei Könige weglassen musste. In der vordersten Ebene bringen die drei Könige dem Christuskind ihre Geschenke dar, welches neugierig nach den Goldmünzen in einer dargebotenen Schale greift. Der Maler hat nicht nur die Haltungen und Gewänder der Figuren von Rubens übernommen, sondern auch die von ihm vorgegebenen Typen. So findet sich bei ihm die Profilfigur der Madonna ebenso wieder wie der gebeugt stehende König mit dem prächtigen roten Mantel, der lachende Mann im Hintergrund und viele andere.
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- o. J.–1971 Elisabeth Dierickx, Münster
- 1971 erworben durch Schenkung