
Eberhard Viegener Häuser in Soest, 1919
Nachdem sich Eberhard Viegener um 1917 dazu entschied freischaffender Künstler zu werden, erarbeitete er sich einen bewegten ausdrucksstarken Stil. Seine bis dahin eher konventionelle Malweise verliert sich ganz in expressiver Form, Duktus und vor allem Farbe. Das Gemälde „Häuser in Soest“ ist typisch für diese Schaffensphase. So zeugt es von einem breiten, dynamischen und spontanen Pinselstrich, der um die zwei höhengestaffelten Häuser im Zentrum der Darstellung eine Landschaft einfügt. Das Motiv tritt dabei in den Hintergrund, Form und Farbe bestimmen die Darstellung. Viegener überschreitet in seinen Arbeiten aber nie die Grenze zur Abstraktion. Das Gegenständliche bleibt immer Ausgangspunkt seiner expressionistisch reduzierten Kompositionen. Zu Beginn der 1920er Jahre distanziert Viegener sich bewusst vom Expressionismus und wendet sich kühleren, präziseren Gegenstandsformen zu, die heute der „Neuen Sachlichkeit“ zugeordnet werden. Etwa zehn Jahre später wendet er sich wiederum realistisch-naturalistischer Landschaftsdarstellungen zu. Das Gesamtœuvre des Soester Malers weist sich durch eine stilistische Vielfalt aus, die die Entwicklung der Moderne spiegelt. Ansichten aus der westfälischen Stadt Soest als Bildthema finden sich auch bei Zeitgenossen Viegeners wie den Künstlern Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Wilhelm Morgner und Christian Rohlfs. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die westfälische Stadt zu einer lebendigen Künstlerstadt, in der die Maler Zuflucht vor den wachsenden Industriestädten in der Kleinstadtidylle suchten. EvD Literatur: Vera Losse: Die Westfälische Galerie in Kloster Bentlage (Bildhefte des Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Nr. 34), Münster 1996. Reinhold Happel (Hg.): Der Expressionismus und Westfalen [Ausst. Kat. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1990], Münster 1990.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Leihgabe des Westfälischen Kunstvereins
Leihgabe des Westfälischen Kunstvereins
- […]
- o. J.–1964 Dr. Werner Hartwich, Weißen thurm am Rhein
- 1964–1969 Margret Maas, Weißenthurm am Rhein
- seit 1969 Westfälischer Kunstverein, Münster, Leihgabe



