
Wilhelm Morgner Bildnis eines Bärtigen, 1909
Ursprünglich bildete das „Männliche Bildnis“ die Rückseite des Gemäldes „Interieur“ (Inventar-Nr. 1440 LM). 1970 ließ das Westfälische Landesmuseum die Gemälde durch den Kölner Restaurator Otto Klein (1904–1995) voneinander trennen. In seinem Restaurierungsbericht nennt Klein das Gemälde „Bildnis des Vaters“, während der Morgner-Experte Jürgen Wißmann (geb. 1936) den Mann als „Herrn Flertmann“ bezeichnet.
Der Vater des Künstlers, August Morgner, war bereits 1892 verstorben. Ob das vorliegende Gemälde nach einem Foto des Verstorbenen mitsamt imaginierten Alterungserscheinungen entstand, kann nicht verifiziert werden. Ein Herr Flertmann konnte nicht näher identifiziert werden. Vermutlich entstammt der Porträtierte Morgners unmittelbarem Umfeld. Der junge Maler Morgner beobachtete die Menschen in seinem Alltag aufmerksam und hielt sie vielfach in ausdrucksstarken Bildnissen fest. Vor dem dunklen, flächigen Hintergrund erarbeitete Morgner in wenigen Pinselstrichen die individuellen Züge eines ernsten, älteren Mannes und äußerte hierin sein intensives Interesse am Innenleben seiner Modelle.
LWL-Museums für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2003], Petersberg 2023, S. 382f.



