
Ida Gerhardi Frau Emilie Turck im Garten, 1902
Im Sommer 1902 gab Emilie Turck (1859–1934) aus Lüdenscheid bei Ida Gerhardi ein Bildnis in Auftrag. Das große, repräsentative Format zeigt die Unternehmergattin auf einer Gartenbank sitzend mit leicht geneigtem Kopf. Freundlich lächelnd blickt sie aus dem Bild; doch der strahlende Blickfang ist ihr langes, wallendes weißes Kleid, dem mit Sonnenschirm, Schal und einer angesteckten Rose nur wenige, jedoch akzentuierte Accessoires hinzufügt sind.
Als Ida Gerhardi das Gemälde im Oktober 1902 vollendete, lag die Eröffnung des Museum Folkwang in Hagen erst wenige Monate zurück. Die Malerin war fasziniert von der von Karl Ernst Osthaus (1874–1921) gegründeten Sammlung, als deren spektakulärer Höhepunkt schon damals Pierre Auguste Renoirs (1841–1919) „Lise mit dem Sonnenschirm“ (1867) galt. Das frühimpressionistische, unter freiem Himmel gemalte Porträt von Renoirs Modell Lise Trehot (1848–1922) im weißen Musselinkleid mag auch Gerhardi vor Augen gehabt haben, als sie an dem Bildnis von Emilie Turck arbeitete.
Dass die Komposition in ihrer Malweise wie auch Farbgebung wesentlich konventioneller als das Vorbild angelegt ist, mag ein künstlerischer Kompromiss aus Rücksicht auf ihre Kundschaft gewesen sein. Emilie Turck jedenfalls sei, so Ida Gerhardi, „einfach entzückt von dem Bilde“ gewesen und „sogar der Ehemann“ habe beim Anblick des Bildes „befriedigt [ge]knurrt“ (Gerhardi 2012, S. 194).
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 154f.
Ida Gerhardi an Karl Ernst Osthaus, 30. Oktober 1902, in: LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte (Hg.): „Wozu die ganze Welt wenn ich nicht malte“. Ida Gerhardi (1862-1927). Briefe einer Malerin zwischen Paris und Berlin, Essen 2012.
- 1927–1969 Nachlass der Künstlerin/Malve Steinweg, Lüdenscheid
- 1969 erworben durch Schenkung



