
Erich Heckel Kranke, 1912
Ende 1910 hatte Heckel die Tänzerin Milda Frieda Georgi, genannt Siddi (1891–1982), kennengelernt, die er 1915 heiratete und die bis zu seinem Tod 1970 seine Gefährtin war. Auch wurde sie in Heckels Schaffen das bevorzugte, fast ausschließliche Modell für seine Frauendarstellungen.
Im Herbst 1911 richtete sich das Paar in Berlin die erste gemeinsame Wohnung ein. Die sehr einfachen Räume in einem Dachgeschoss gestalteten sie in gemeinschaftlicher Arbeit mit gebatiktem Nesselstoff und bemalten oder bestickten Vorhängen. Heckel schnitzte und bemalte zudem verschiedene Möbelstücke, wie das in diesem Gemälde erkennbare Kopfteil eines Bettes, das als Rückenlehne fungierte. Zudem sind die Figuren und Ornamente der selbst gestalteten Dekoration auf zahlreichen Werken im Hintergrund erkennbar.
Im Frühjahr 1912 entstand das Gemälde „Kranke“, als Siddi mehrere Wochen bettlägerig war. Ganz seinem expressionistischen Stil dieser Zeit verpflichtet, sind die Formen vereinfacht zusammengefasst. Die Perspektive ist leicht verschoben, um so die empfundene Stimmung von Krankheit und Sorge um die Partnerin auszudrücken. In den mit schwarzem Pinsel gezeichneten Konturen und Schraffuren deutet sich auch der Wandel von Heckels Bildsprache an, der nach dem Umzug nach Berlin den Großstadt-Expressionismus einläutete. Gerade für Heckel ist dabei der Ausdruck von Einsamkeit, Melancholie und Isolation von besonderer Bedeutung; sie kennzeichnen seine persönliche Reaktion auf die neue Lebenssituation in der Metropole der Moderne.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 186f.
- 1919 Kunsthandlung Schames, Frankfurt
- 1919–1940 Carl Hagemann, Frankfurt
- 1940–1948 Verwahrung und Auslagerung durch das Städel Museum, Frankfurt
- 1940–1958 Fritz Hagemann, Hamm
- 1958 erworben



