
Otto Dix Sturmtrupp geht unter Gas vor, 1924
Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Dix für über vier Jahre zum Kriegsdienst eingezogen. Die belastenden Erfahrungen verarbeitete er unter anderem in seinem Radierzyklus „Der Krieg“. In der fünf Jahre nach Kriegsende entstandenen Reihe von 50 Blättern thematisierte Dix vor allem die Zustände von Menschen und der Landschaft nach den Kämpfen. Auf vielen der Radierungen sind grausam verstümmelte Körper zu sehen, weshalb Dix massive Kritik vonseiten deutschnationaler und völkischer Gruppen auf sich zog. Von Dix‘ Verleger Karl Nierendorf (1889–1947) wurde der Zyklus jedoch als pazifistisches Manifest vermarktet, welches sachlich das wirkliche Gesicht des Krieges zeige. Dix wandte bei der Erstellung der Blätter unterschiedliche Radiertechniken an, um für den einzelnen Strich die jeweils ausdrucksstärkste Qualität zu erreichen und etwa Verwundungen unmittelbar anschaulich zu machen.
Für das Blatt „Sturmtrupp geht unter Gas vor“ wird in der Literatur diskutiert, ob sich Dix darin möglicherweise selbst als mit Gasmaske vorrückenden Soldaten dargestellt hat. Die Personen im Vordergrund nähern sich frontal; links hebt sich diagonal der Arm des vermuteten Anführers zum Befehl. Wie ein Symbol für den Verlust der Menschlichkeit im Kriegstreiben verschwinden die Gesichter der Menschen gänzlich hinter den Masken. Im Bild wird dieser Aspekt durch eine helle Akzentuierung hervorgehoben, wohingegen die übrigen Details der Darstellung in unterschiedlich dunklen Graustufen behandelt wurden.
Marno, Anne: Der Radierzyklus ‚Der Krieg‘ (1924). Otto Dix’ grafisches Hauptwerk der Düsseldorfer Jahre, in: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (Hg.): Otto Dix–der böse Blick [Ausst.-Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2017], Düsseldorf 2017, S. 183–189.
Kunstmuseum Stuttgart (Hg.): Das Auge der Welt. Otto Dix und die Neue Sachlichkeit [Ausst.-Kat. Kunstmuseum Stuttgart, Stuttgart 2012], Stuttgart 2012.
August-Macke-Haus e.V. (Hg.): Otto Dix. Der Krieg – Radierwerk 1924 (Schriftenreihe Verein August Macke Haus Bonn, Nr. 29), Bonn 1999.- [...]
- o. J.-1984 Galerie Valentin, Stuttgart
- 1984 erworben



