
Erich Heckel Badende Frauen, 1913
Das Motiv der Badenden war für Heckel von besonderer Bedeutung: In Dresden hatte er gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein an den Moritzburger Teichen Akte im Freien gemalt und so seine Auffassung der harmonischen Einheit von Mensch und Natur verbildlicht. Im Sommer 1913 entdeckte Heckel in Osterholz an der Flensburger Förde den für ihn idealen Ort, um in Abgeschiedenheit zu arbeiten, ungestört vom Badetourismus das Motiv des badenden Aktes zu realisieren und sich in Einklang mit dem einfachen, naturnahen Leben zu fühlen.
Im Gemälde „Badende Frauen“ ist die mit dichter Vegetation bedeckte Steilküste der Förde erkennbar, ebenso wie die zahlreichen großen Findlinge, die den schmalen Strand charakterisieren. Was wie eine Szene mit mehreren nackt badenden Figuren erscheint, geht tatsächlich auf Studien einer einzigen Figur, nämlich der von Heckels Freundin Milda Frieda Georgi, genannt Siddi, zurück. Sie ist in ungezwungenen Bewegungen nach dem Bad erfasst, dabei ergeben die verschiedenen Positionen ein Bild der selbstvergessenen Natürlichkeit.
Typisch für Heckels Figurendarstellungen des Jahres 1913 sind die entschlossenen Konturen, mit denen die Körper präsent und kraftvoll erscheinen. Auch sind eine gewisse Kantigkeit und einzelne geometrische Formen festzustellen. Dies spiegelt Heckels Beschäftigung mit dem Holzschnitzen wider, mit dem er sich zu Jahresbeginn 1913 beschäftigt und mehrere größere Skulpturen aus dem Naturmaterial gearbeitet hatte.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 188f.
- (1919 Kunsthandlung Carl Nicolai, Berlin)
- [...]
- o. J.-1957 William Schöningh, Paderborn
- 1957 erworben



