
Peter August Böckstiegel Bauer Thorlümke, 1925
Ab den frühen 1920er-Jahren wurde der Bauer Thorlümke, der unweit von Peter August Böckstiegels Elternhaus lebte, zu einem der wichtigsten Modelle des Künstlers. Der über 80-Jährige taucht in einer Vielzahl von Zeichnungen, Grafiken, Aquarellen und Gemälden auf und erhält so eine zentrale Rolle unter den immer wiederkehrenden Protagonisten des Bauernlebens, Böckstiegels wichtigstem Motivkreis. Der Künstler war fasziniert von den markanten Gesichtern alter Frauen und Männer, ihrer Persönlichkeit und der ihnen innenwohnenden, vitalen Kraft: „Vater Thorlümke, ein Bauer aus Arrode, eine vom Alter und harter Feldarbeit gebeugte Gestalt, scharfe Hakennase, die blitzenden Augen von Hut und Bart eingebettet, war zu jeder Stunde für mein Schaffen bereit.“ (Güse 2010, S. 99)
Böckstiegels Bildnisse belegen diese enge persönliche Beziehung zu diesen Menschen, denen er auf Augenhöhe begegnete. Auf dem Bildnis von 1925 hält Thorlümke eine irdene Schüssel mit Kartoffeln in seinen Händen, hinter ihm heben sich zwei leuchtend gelbe Sonnenblumen vor dem in Rot- und Rosatönen gestalteten Hintergrund ab. Die im Farbauftrag pastose, an manchen Stellen fast krustige Malerei hat schon zeitgenössische Betrachter:innen an „Ackerschollen“ erinnert. Ein Wechselspiel entwickelt sich zwischen den eher dunklen Bildpartien und einem kleinteiligeren Pinselduktus im Halstuch und Gesicht des Bauern. Dieses belebt das Bild und gibt dem Bauern trotz aller sichtbaren Spuren des Alters Präsenz und Lebendigkeit. Besonders gefiel es Böckstiegel dann auch, die Reaktion seiner Modelle zu sehen: „Die Bauern sahen sich gerne meine Arbeiten an, ein frohes und heiteres Lachen, der treffende Ernst über diese und jene Arbeit, beglückte sie.“ (Güse 2010, S. 111)
Böckstiegel, Peter August: Erlebtes und Erschautes. Über die Zeichnung und Radierung (1933), in: Güse, Ernst-Gerhard (Hg.): Das Peter-August-Böckstiegel-Haus in Arrode, Bönen 42010, S. 98–102.
Böckstiegel, Peter August: Aus meinem Leben, in: Güse, Ernst-Gerhard (Hg.): Das Peter-August-Böckstiegel-Haus in Arrode, Bönen 42010, S. S. 107–102.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023, S. 68f.
- 1951–1956 Nachlass des Künstlers/Hanna Böckstiegel, Werther-Arrode
- 1956 erworben

