
unbekannt Ansicht des Schlosses Holtfeld von Südosten, um 1730/1750
Das 1953 von einer Nachfahrin der Familie von Wendt zu Crassenstein und Holtfeld erworbene Gemälde zeigt die Schlossanlage von Südosten: links das 1599–1602 erbaute Herrenhaus mit dem reich ornamentierten Giebel, den Eckturm ebenso wie der Treppenturm in der Mitte der Hoffront mit welscher Haube. Die Schlossgräfte ist zusätzlich durch eine Mauer geschützt sowie durch die vorgelagerte, 1632 errichtete und Anfang des 18. Jahrhunderts modernisierte Vorburg. Ein in Fachwerk gebaute Torhaus rundet die Anlage ab. Der ebenfalls ummauerte Garten ist barock symmetrisch angelegt als Nutzgarten, vorn ist eine frisch gepflanzte Allee blühender Obstbäume zu erkennen. Im Hintergrund die für die Grafschaft Ravensberg namengebende Burg; Holtfeld war aus einem Burgmannslehen erwachsen. Typisch ist, dass die Grafenburg als Höhenburg auf dem Berg liegt, während die Burgmänner und Dienstleute in Sichtweite eine Wasserburg bewohnten. Die Herren von Wendt erbten Holtfeld um 1479/91 und besaßen es bis zum Erlöschen der Familie 1863, dann die weiblichen Nachfahren. Bemerkenswert die Szene im Vordergrund: zwei Kavaliere in roten Mänteln – der Schlossherr und ein Gast. Nach deren Kleidung und Haartracht gehört das Bild in die Jahre um 1730/50 – haben ein Reh erlegt, dass ihnen ein Jagdbursche heranträgt: die Jagd auf Niederwild, zu dem auch Rehe zählten, war ein Adelsprivileg, das ein Gutsherr aber auch durch angestellte Jäger wahrnehmen konnte; zweie sieht man links mit einem Jagdhund stehen. Für Adelige war Arbeit und körperliche Anstrengung unstandesgemäß; sie waren als Herrschaftsstand privilegiert. Erlaubt war ihnen allerdings „Arbeit“ als Herrschaftsteilhabe eines Fürsten, als Offiziere, Beamte oder Diplomaten oder der höhere Kirchendienst. Sie hatten dafür die Mühe, ihre Zeit standesgemäß zu verbringen – etwa auf der Jagd, oder durch gegenseitige Besuche: auf der Hauptallee bringt eine vierspännige Kutsche Gäste. GD Literatur: Dethlefs, Gerd: Der Maler Dietrich Molthane (+ 1631) und die Familienbilder der Morrien zu Nordkirchen. Zur Porträtmalerei in Westfalen im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts, in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 89 (2011, Münster 2012), S. 55-95, hier S. 86-89 (Porträts des Erbauers Matthias von Wendt zu Holtfeld, 1550–1608, und seiner Familie). Schmitt, Michael (Bearb.): Minden-Ravensberg (Westfalia Picta. Erfassung westfälischer Ortsansichten vor 1900 Bd. VII), Münster 2002, S. 112-113 Nr. 148. Mummenhoff, Karl-Eugen: Wasserburgen in Westfalen, Berlin/München 4. Aufl. 1977, S. 46-48, 56. Horst, Karl Adolf Freiherr von der: Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden, Berlin 1894, Nachtrag Lübbecke 1899, Reprint Osnabrück 1979, S. 80-81, Nachtrag S. 32-33.
Dethlefs, Gerd
- o. J. (vor 1927) Marchant und Ansembourg-Limburg, Amstenraedt
- o. J.–1952 Maria von Galen, Münster
- 1952–1953 Rixa von Galen, Oelde
- 1953 erworben
Maße
Höhe 94.5 cm Breite 187 cm
Material
Öl, Leinwand Inventarnummer
966 LM Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/urn/urn:nbn:de:hbz:6:1-6675


