
Erich Heckel Junge Arbeiter (Arbeiter aus dem Erzgebirge), 1924
Nach der Auflösung der Künstlergruppe „Brücke“ im Jahr 1913 und der Erfahrung als Sanitäter im Ersten Weltkrieg wandte sich Heckel in den 1920er-Jahren mit der Neuen Sachlichkeit einer neuen Wirklichkeitsdarstellung zu. In diesem Bildnis gestaltete er das damals beliebte Motiv des Arbeiters, das er ein Jahr später ebenfalls als Radierung anfertigte. In dem Gruppenporträt sind drei unbekannte Männer in Arbeitskleidung wiedergegeben. Ihre Köpfe sind auf unterschiedlicher Höhe platziert und schauen in verschiedene Richtungen aus dem Bild heraus. Sie werden als drei Haltungen der Gesellschaft in der unruhigen Weimarer Zeit interpretiert: Die größte Person hat ihren Blick zuversichtlich in die Zukunft gerichtet, die Person am rechten Bildrand schwelgt noch immer in den Erinnerungen der Vergangenheit, während die sitzende Person mit abgestütztem Kopf als Melancholiker gekennzeichnet wird. Heckel stellt die individuellen Körpermerkmale und insbesondere die Hände detailliert dar. Wie für den neusachlichen Stil charakteristisch, gibt Heckel die exakte Physiognomie der Modelle wieder, in die sich soziale Klasse, körperliche Arbeit und Alter eingeschrieben haben. Mit dem Blick durch die beiden Fenster im Hintergrund eröffnet sich eine Ansicht auf die umgebende Winterlandschaft. Das Motiv begegnete Heckel wohl im Erzgebirge, in das er in den 1920er-Jahren mehrmals zum Skifahren reiste.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Die Gemälde der Moderne 1900 bis 1960. Die Sammlungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster [Best.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2023], Petersberg 2023.
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Hg.): Eine Frage der Herkunft. Netzwerke, Erwerbungen, Provenienzen [Ausst.-Kat. LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2020], Münster 2020.
Hüneke, Andreas: Erich Heckel. Werkverzeichnis der Gemälde, Wandbilder und Skulpturen, Bd. II (1919–1964), München 2017.
Moeller, Magdalena M. (Hg.): Erich Heckel – Aufbruch und Tradition. Eine Retrospektive [Ausst.-Kat. Stiftung Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig 2010], München 2010.
- 1958 erworben vom Künstler/Siddi Heckel, Karlsruhe



