
Lovis Corinth (1858–1925) Charlotte Berend im Liegestuhl, 1904
Lovis Corinth wurde in München und Paris ausgebildet. Seine Werke stehen aufgrund seiner Beschäftigung mit der Freilichtmalerei, die von einer spontanen Motivfindung und Ausführung geprägt ist, im Gegensatz zur klassischen Historienmalerei. Die Pastellkreidezeichnung von 1904 zeigt seine schwangere Frau Charlotte Berend-Corinth (1880–1967) wenige Monate nach der Hochzeit. Sie liegt in einem hölzernen Liegestuhl und ihr dunkles Haar reicht bis über die Schultern. Der Kopf ist geneigt und sie blickt ihren sie zeichnenden Mann bzw. die Bildbetrachter:innen mit heraufschauenden Augen an. Der Ehering an der linken Hand ist deutlich zu erkennen; die Fingerglieder sind jugendstilhaft gelängt. Farbakzente in Blau betonen ein Schmuckband im Haar. Der Fokus des Künstlers liegt hier auf einer anmutigen Darstellung seiner passiv abwartenden Frau. Obwohl Charlotte Berend-Corinth selbst Künstlerin war und es nach Corinths Tod zu Erfolgen in den USA brachte, tritt in den Bildnissen durch ihren Mann insbesondere ihre Unterordnung und Verfügbarkeit als Ehefrau hervor. Bis zu ihrem Tod widmete sich die weitaus jüngere Charlotte Berend-Corinth neben eigenen Projekten dem Nachlass ihres Mannes.
Patricia Nünning
Streck, Simone: Lovis Corinth. Charlotte Berend im Liegestuhl, 1904 (Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Das Kunstwerk des Monats, Juli 2003), Münster 2003.
Butts, Barbara: Die Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik. Werkkommentare, in: Butts, Barbara / Schuster, Peter-Klaus / Vitali, Christoph (Hg.): Lovis Corinth, München 1996, S. 333.
Leihgabe des Westfälischen Kunstvereins
- o. J.-1927 Hofkunsthandlung Fritz Gurlitt, Berlin
- 1927 erworben durch den Wetsfälischen Kunstverein, Leihgabe
Maße
Höhe 49.5 cm Breite 60 cm
Material
Pastell, Karton Inventarnummer
939 WKV Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
KdM_07_2003_939WKV.pdf


