
unbekannt Totenschild der Fürstin von Gallitzin aus der Kirche in Angelmodde, 1806
Amalie Fürstin von Gallitzin, geb. von Schmettau (1748–1806), wurde reformiert getauft, von ihrer Mutter jedoch katholisch erzogen. 1768 heiratete sie den Fürsten Dmitri Alexejewitsch Golizyn, der kurz darauf russischer Botschafter in Den Haag wurde. Ermüdet vom Hofleben verließ sie ihren Mann nach der Geburt ihrer beiden Kinder und zog mit ihnen in ein Landhaus in den Niederlanden. Dort kleidete sie sich gegen die Mode im griechischen Stil und trug kurze Haare. Ihre Kinder erzog sie nach den damals modernen Maximen von Jean Jacques Rousseau möglichst „natürlich“. 1779 siedelte die Fürstin aufgrund guter pädagogischer Einrichtungen für ihre Kinder nach Münster über. Nach einer Erkrankung setzte sich Amalie von Gallitzin mit Thema Religion auseinander und trat 1786 zur katholischen Kirche über. Ihr Haus wurde Mittelpunkt eines einflussreichen Kreises in Münster – von Spöttern „familia sacra“ (Heilige Familie) genannt. Dazu gehörten wie beispielsweise die späteren Bischöfe Kaspar Max und Clemens August Droste zu Vischering. Zu den weiteren Bekanntschaften der Fürstin zählten unter anderen Frans Hemsterhuis, der sie philosophisch sehr beeinflusste, Goethe, Anton Matthias Sprickmann und Bernhard Heinrich Overberg, der als ihr Beichtvater ihre Rückkehr zur katholischen Kirche begleitete. Bei diesem Totenschild handelt es sich um ein Exemplar aus der Kirche in Angelmodde, wo sie einen Zweitsitz hatte und sich ihr Grab fand. Auf dem Totenschild sind mittig zwei Wappen zu erkennen, das ihres Mannes und das ihres Vaters, also der Familie von Schmettau. Wegen des fürstlichen Ranges ihres Mannes stehen sie vor einem bekrönten Wappenmantel. Ein Totenschild wurde nach dem Tode eines Adeligen ein Jahr über der Haustür ausgehängt und dann in die Schlosskapelle oder in eine Pfarrkirche überführt; in Westfalen sind sie typischerweise in Rautenform. Dieser Totenschild wurde dem Landesmuseum 1909 vom Mäzen Joseph Hötte (1838–1919) geschenkt. Mara Woltering
Schenkung Joseph Hötte, Münster
Maße
Höhe 96 cm Breite 95.5 cm
Material
Öl, Eichenholz Inventarnummer
816 LM Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
https://www.deutsche-biographie.de/sfz19848.html Kunstwerk des Monats
https://de.wikipedia.org/wiki/Amalie_von_Gallitzin Kunstwerk des Monats
https://de.wikipedia.org/wiki/TotenschildVerwandte Begriffe
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