
Gottfried Beyer Das Geburtshaus Johann Conrad Schlauns, 1937
Beyer, Sohn eines Sparkassendirektors, studierte erst Kunstgeschichte in Münster und dann an der Kunstakademie Kassel. Nach dem Examen als Zeichenlehrer für höhere Schulen unterrichtete er ab 1915 in Hannover und Solingen, ab 1920 am Gymnasium in Warburg. 1925 baute er ein Haus, trat aber 1936 aus dem Schuldienst „aus gesundheitlichen Gründen“ aus und wirkte freischaffend bis zu seinem Tode. Sein Werk soll anfangs vom Berliner Impressionismus eines Max Liebermann geprägt gewesen sein; dieses Gemälde ist aber fast fotorealistisch präzise von Südosten aufgenommen, vielleicht tatsächlich nach einem Foto gemalt, in sommerlicher, strahlender Helligkeit, allerdings mit relativ langen Morgenschatten. Das Haus entspricht einer für die Warburger Börde typischen Sonderform des niederdeutschen Vierständerhauses: des in Anlehnung an Hausformen des sauerländischen und hessischen Mittelgebirges zweistöckigen Längsdielenhauses mit holzverblendetem Giebel, wie es in einem Artikel der regionalen NS-Kulturzeitschrift „Heimat und Reich“ 1936 als bodenständige Hausform vorgestellt wurde. Das 1656 erbaute Haus wurde 1696 von Schlauns Vater um einen steinernen Anbau hinten erweitert, war 22,70 m lang und 12,90 m breit, wurde aber 1972 abgebrochen. Angesichts einer defensiven Erwerbungspolitik des Landesmuseums in den späten 1930er Jahren darf man die Bereitschaft, dieses künstlerisch weniger interessante, wenngleich mit den ästhetischen Maßstäben der NS-Kulturpolitik konforme Gemälde als Schenkung des Künstlers anzunehmen, im Gegenstand suchen. Das Geburtshaus des bedeutenden Barockarchitekten Schlaun, der aus der ländlichen Oberschicht stammte – sein Vater war Richter und Amtmann des Klosters Hardehausen in Nörde –, war zugleich ein landschaftstypisches westfälisches Bauernhaus und konnte die „Bodenständigkeit“ eines Künstlers zeigen, der nach dem Urteil von Theodor Rensing (1936) „Bauten nordischer Formenstrenge“ mit einem „Schimmer südlicher Formenfreude und Formenbiegsamkeit“ schuf. GD Literatur: Maasjost, Ludwig: Das Bauernhaus der Warburger Börde in: Heimat und Reich. Monatshefte für westfälisches Volkstum Jg. 1936 H. 7 (Juli 1936), S. 256-258; Rensing, Theodor: Johann Conrad Schlaun, ebd. S. 259-268, hier S. 268; Korn, Elisabeth: Woher stammte Johann Conrad Schlaun? Ein Forschungsbericht, in: Klaus Bußmann (Hg.), Johann Conrad Schlaun 1695–1773 (Schlaunstudie I), Textteil S. 278-300, hier S. 282; Boer, Hans-Peter: J. C. Schlaun. Sein Leben – Seine Zeit – Sein Werk, Münster 1995, S. 13; Bialas, Rudolf: Das Museum im "Stern" und seine Sammlung Warburger Maler, Warburg 1999.
Dethlefs, Gerd
Schenkung des Künstlers
Maße
Höhe 54 cm Breite 66.7 cm Bild Tiefe 2.4 cm
Material
Öl, Leinwand Inventarnummer
721 LM Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Beyer