
Hermann Veltmann Der Gotenkönig Totila (+ 552) demütigt sich vor dem hl. Benedikt, um 1700-1710
Das großformatige Gemälde soll aus dem Kloster Liesborn stammen, dem einzigen Benediktinerkloster des Münsterlandes, das 1701–1702 umgebaut und ab 1724 neugebaut wurde. Tatsächlich ist die Hauptperson ein Benediktinerabt in seinem schwarzen Habit, der mit vier Mönchen vor dem Kloster steht; einer hält ihm den Hirtenstab. Er hilft einem vor ihm auf die Knie gefallenen Mann auf, den reich gekleideten Anführer der rechts gezeigten Truppen, die alle antikisierende oder orientalische exotische Kleider tragen. Die Szene illustriert eine Episode in der Lebensgeschichte des Ordensgründers Benedikt von Nursia (um 480–547), überliefert in den Dialogen des Papstes Gregor I. (reg. 590–604): Der Gotenkönig Totila wollte sich von der prophetischen Gabe Benedikts überzeugen; ließ sich im Kloster Monte Cassino anmelden und schickte einen Offizier namens Riggo in seinen Kleidern zu dem Abt, der aber das Spiel durchschaute. Erschrocken kehrte Riggo zurück (Dialogi II.14). Weiter heißt es (II,15,1): „Hierauf begab sich Totila selbst zum Mann Gottes. Er … hatte aber nicht den Mut, näher zu kommen, sondern warf sich auf die Erde. Zwei- oder dreimal sagte ihm der Mann Gottes: ‚Steh auf!‘, .... Da ging Benedikt … schließlich selbst zum König hin, der am Boden lag, und hob ihn eigenhändig auf. Er hielt ihm seine Untaten vor und sagte ihm mit wenigen Worten sein künftiges Geschick voraus: ‚Viel Böses tust du, und viel Böses hast du getan. Lass endlich ab von deinen bösen Taten! ja, du wirst in Rom einziehen und auch das Meer überqueren. Neun Jahre wirst du regieren, doch im zehnten wirst du sterben.‘ (II,15,2) Der König erschrak sehr .... Er bat ihn um sein Gebet und zog wieder ab. Von da an war er nicht mehr so grausam.“ – allerdings erfüllte sich die Prophezeiung nach zehn Jahren. Totila führte die Goten in Italien von 541 bis zu seinem Schlachtentod 552; demnach müsste sich die Szene um 543 zugetragen haben. Bei der Erwerbung des Bildes war alternativ als Thema "Kaiser Heinrich II. und Abt Romuald von Ravenna" genannt. Das Bild deutet das Verhältnis zwischen geistlicher und weltlicher Macht: Die großen Feinde katholischer Geistlicher waren die Protestanten – hier werden in den Goten wahrscheinlich die Preußen gesehen, die südlich der Lippe in der Grafschaft Mark regierten und im Münsterland – letztlich 1802 zu Recht – als diejenigen galten, von denen die größte Gefahr für die Selbständigkeit von Kloster und Fürstbistum ausging. GD Literatur: Dethlefs, Gerd: Zur weltlichen Ausstattung der Klöster zwischen Reformation und Säkularisation. In: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, hg. v. Karl Hengst, Bd. 3. Münster 2003, S. 813-840, hier S. 825-831, 835-836. Mette, Michael: Studien zu den barocken Klosteranlagen in Westfalen (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen 25). Bonn 1993, S. 84-90. Müller, Helmut: Das Kanonissenstift und Benediktinerkloster Liesborn (Germania Sacra NF. 23). Berlin/New York 1987, S. 36-37 (die Listen der Gemälde bei Aufhebung 1803 sindnoch nicht überprüft).
Dethlefs, Gerd


