
unbekannt Bildnis eines bärtigen Mannes, 1536
Das Brustbild zeigt einen Mann mittleren Alters, der nah in den Vordergrund an die Betrachtenden herangerückt ist. Das Haar reicht ihm an den Seiten bis kurz über die Ohren und wurde über den Augen zum Pony geschnitten, während er einen eckig geschnittenen Vollbart mit längerem Schnauzbart trägt. Das Gesicht ist insgesamt recht flächig angelegt und weniger detailliert ausgeführt als man es bei einem solchen, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstandenen Porträts erwarten würde. Eine prägnante Darstellung der individuellen Merkmale ist in dieser Zeit nämlich das Kennzeichen autonomer Bildnisse, die damit nicht mehr Teil einer größeren Komposition mit einer erzählenden Darstellung sind.
Die streng blickenden, dunklen Augen stehen weit auseinander und die Nase ist lang und gerade, der Mund eher klein. Der Dargestellte trägt die deutsche Tracht der 1530er-Jahre, die vergleichbar auch bei Herrenbildnissen von Hans Holbein dem Jüngeren aus diesem Jahrzehnt zu finden ist. Auf dem Kopf des Herrn sitzt eine schwarze Kappe und über den Schultern liegt ein schwerer Mantel mit einem breiten Aufschlag aus Fell. Darunter blitzt das Weiß eines feinen Hemdes hervor, das am Hals mit drei Knöpfen geschlossen ist.
Der Raum hinter ihm ist durch eine verkürzte Wand links als Zimmerecke zu erkennen. Der Porträtierte wirft nach rechts einen Schatten – wobei es sich um ein weiteres Element handelt, um die Figur im Raum dreidimensional erscheinen zu lassen. Die Entstehung des Gemäldes in den 1530er-Jahren wird schließlich durch die Inschrift „ANNO DN 1536“ [im Jahre des Herrn 1536] rechts oben bestätigt.
- 1869 erworben durch den Westfälischen Kunstverein, Leihgabe


