
Ludger tom Ring, der Jüngere Porträt Martin Chemnitz, 1569
Der aus Münster stammende Maler Ludger tom Ring der Jüngere ließ sich 1569 in Braunschweig nieder, wo er zum Porträtisten des Patriarchats wurde und auch die Ehepaarbildnisse von Martin Chemnitz und seiner Gemahlin Anna Chemnitz, geb. Jäger, schuf.
Das Gemälde zeigt den Theologen Dr. Martin Chemnitz (1522–1586), den bedeutendsten Reformator in Braunschweig, der vor allem durch seine Kritik am tridentinischen Konzil hervortrat. Er war ein enger Vertrauter des Braunschweiger Herzogs Julius (1528–1589), für den er 1569 die Kirchenordnung verfasste.
Chemnitz erscheint als Halbfigur vor moosgrünem Grund und hinter einer Brüstung. Er trägt einen dunklen, pelzgefütterten Mantel in Blau-Grau und mit rot-braunem Rand, dessen Aufschläge er mit einem beherzten Griff zusammenfasst. In der rechten Hand hält er als Zeichen seines hohen liturgischen Ranges eine wertvolle Paternosterschnur aus Elfenbein mit einem Bisamapfel, in dem Duftstoffe aufbewahrt wurden. Er wendet sich leicht nach rechts in Richtung seiner Ehefrau, hat den Blick aber selbstbewusst auf die Betrachtenden gerichtet. Die Brüstung trägt mehrere Inschriften, so auf der Deckplatte die Datierung des Gemäldes „Anno 1569“ und das Alter des Dargestellten „Aetatis Sue 46“ [Sein Lebensalter 46 Jahre]. Zudem steht auf der Frontseite eine lateinische Inschrift, die bezeugt, dass Martin Chemnitz in seinem 46. Lebensjahr „dieses Gesicht und Aussehen“ hatte und damit auf das Konzept der Memoria angespielt, die Erinnerung an den Dargestellten durch das Bild.
- 1860 erworben durch den Westfälischen Kunstverein, Leihgabe



