
unbekannt Profil-Brustbildnis Franz Freiherr von Fürstenberg (1729-1810), o.J. (um 1780/85)
Die um 1881/84 vom Westfälischen Kunstverein erworbene Pastellzeichnung ist das früheste bekannte Bildnis des bedeutenden münsterischen Staatsmannes und leider nicht gut erhalten und stark berieben. Schon kurz nach seiner Erwerbung 1884 wurde es dem Paderborner Restaurator Laudage zur Auffrischung anvertraut. Das Profilbildnis zeigt den Domherrn von Münster und Paderborn (seit 1748) und münsterischen Generalvikar (seit 1770) nicht in geistlichem Habit; es ist kein herkömmliches Standesporträt, das seinen sozialen Status abbildet. Vielmehr wird der 1780 entlassene langjährige leitende Minister des Fürstbistums Münster als Privatperson in weißem Hemd und rötlich-braunem Mantel dargestellt, auch ohne die sonst obligatorische Zopfperücke. Sein ernster, beinahe trauriger Gesichtsausdruck mag seine Enttäuschung über das Scheitern bei der 1780 erfolgten Wahl eines Koadjutors und künftigen Nachfolgers des münsterischen Fürstbischofs ausdrücken. Die Datierung um 1780/85 passt mit dem Wirken auswärtiger Wanderkünstler und Pastellzeichner wie Nicolas Monpeurt (vgl. KdZ 4928 LM – KdZ 4942 LM), tätig um 1774/78, zusammen. Auch der Wandermaler Oswald Georg May (1738–1816) arbeitete 1782 in Münster und schuf ein durchaus ähnliches Porträtgemälde Fürstenbergs. Das Profil entsprach nicht nur der seit 1775 modernen Silhouette, sondern stand in der Tradition herrscherlicher Bildnisse, die letztlich auf die altrömischen Kaisermünzen zurückging. Der Verzicht auf Standesabzeichen entsprach dem modernen, aufklärerisch geprägten Menschenbild, das die Charaktereigenschaften, nicht Geburt und Stand, dem Urteil über einen Menschen zugrunde legte. Fürstenberg war in Münster gemeinsam mit der Fürstin Amalie von Gallitzin (1748–1806) Mittelpunkt eines solchen Freundeskreises. Das Bildnis wurde um 1800/1810, vielleicht auch erst um 1810/12 von dem Bildnismaler Johann Christoph Rincklake (1764–1813) kopiert und der frühere Minister dabei etwas gealtert dargestellt, wie Rincklake ihn kannte (heute im Stadtmuseum Münster; eine Kopie danach in der Sammlung, Inv.Nr. 584 LM). GD Literatur: Flammer, Thomas / Freitag, Werner / Hanschmidt, Alwin (Hg.): Franz von Fürstenberg (1729–1810). Aufklärer und Reformer im Fürstbistum Münster. (= Westfalen in der Vormoderne 11). Münster 2012 (mit neuerer Literatur). Westhoff-Krummacher, Hildegard: Georg Oswald May, ein Wandermaler vom Main in Westfalen, in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 57 (1979), S. 40-58, hier S. 51 (mit Abb.).
Leihgabe des Westfälischen Kunstvereins
Maße
Höhe 46.8 cm Breite 36 cm
Material
Pastell, Pergament Inventarnummer
141 WKV Standort
Nicht ausgestellt Kunstwerk des Monats
https://www.lwl.org/AIS5/Details/collect/38316 Kunstwerk des Monats
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_F%C3%BCrstenberg_(Politiker) Kunstwerk des Monats
https://www.lwl.org/AIS5/Details/collect/38316


