Bildnis Paul Claudel (1868-1955), auf Werk verzeichnet
Die vorliegende Grafik des Künstlers Bécat zeigt Paul Claudel (1868–1955), einen renommierten französischen Schriftsteller, Diplomaten und Dramaturgen. Gekleidet ist er in die typische Mode der 1920er-Jahre mit Jackett, Weste, Hemd und Krawatte. Als Kniestück sitzt Claudel im Viertelprofil mit überschlagenen Beinen und gefalteten Händen auf einem Stuhl und schaut die Betrachter:innen an. Die verwendete Technik der Kaltnadelradierung ermöglicht eine präzise und feine Linienführung. So wurden mit vielen sich überschneidenden Linien besonders der Kopf und die Gesichtszüge Claudels herausgearbeitet, während die Konturen des Körpers zunehmend verblassen.
Bécat, der in erster Linie für seine erotischen Buchillustrationen bekannt ist, schuf in den 1920er-Jahren eine Reihe von Porträts bedeutender französischer Gelehrter wie Claudel. Die Darstellungsart der Porträtierten als Kniestück im Viertelprofil lässt sich darin vielfach wiederfinden. Die Beschriftung „10/100“ unterhalb der Grafik deutet darauf hin, dass dieses Porträt in einer Auflage von 100 Blättern erschienen ist. Das Exemplar aus dem Porträtarchiv Diepenbroick ist demnach der 10. Abzug dieser raren Auflage.
Louis Chaigne: Paul Claudel. Leben und Werk, Heidelberg 1963.