
unbekannt Stadt Münster, Tuchplombe o. J., Fragment (gefunden in Erwitte-Bad Westernkotten, Kreis Soest), 16. Jh.
Tuchplomben, also einfache Siegel zur Kennzeichnung von Produkten des Textilgewerbes, sind ein gesamteuropäisches Phänomen spätestens vom 13. Jahrhundert ab bis ins frühe 19. Jahrhundert. Sie sind in der Regel aus Blei, das kostengünstig und leicht zu verarbeiten war, und dienten zur Signierung der Stoffe nach Herkunft und Qualität bei Herstellung, Weiterverarbeitung und Verkauf. In technischer Hinsicht häufigste Form ist die so genannte Scheibenstiftplombe: Zwei durch einen Steg miteinander verbundene Scheiben, von denen die eine einen aufgesetzten Stift, die andere eine dazu passende Aussparung aufweist, werden unter Einschluss des Stoffes durch Hammerschläge oder Zangendruck so miteinander verbunden, dass ein Öffnen ohne Beschädigung nicht möglich ist. Danach werden, mithilfe eines Plombierstempels oder einer Plombierzange, ein- oder zweiseitig Prägebilder aufgebracht, die Auskunft über die beteiligten Institutionen bzw. Personen geben. Das vorliegende Stück ist der bisher wahrscheinlich älteste Beleg für Münster; leider sind nur noch zwei Drittel der Scheibe mit dem Stift, zumal eingerissen und verbogen, erhalten – der typische Befund nach Öffnung einer Plombe. Das Prägebild zeigt den Münsterer Balkenschild, darüber zwei Buchstaben, die wohl als S[tadt] M[ünster] aufzulösen sind. Vom Prägebild der Gegenseite ist nur noch der Teil auf dem jetzt breitgedrückten Stift vorhanden, die Scheibe mit der Aussparung und der Steg fehlen ganz; es zeigt über einem geraden Schild einen Punkt und den Buchstaben S, dessen Bedeutung ebenso wie die des Symbols in dem Schild – vielleicht eine Hausmarke? – vorerst offenbleiben muss. Wegen der renaissancehaft geschwungenen Form des Münsterer Balkenschilds und der relativen Größe kann eine Entstehung im 16. Jahrhundert angenommen werden, wie überhaupt die Datierung von Tuchplomben oft nur anhand stilistischer Kriterien möglich ist. SK Literatur: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Das Kunstwerk des Monats Juni 2007 (Peter Ilisch), Vergleichsabbildung.
Stefan Kötz
- 2005 erworben von privat
Maße
Gewicht 5.399 g Durchmesser 27.8 mm
Material
Blei Inventarnummer
34559 Mz Standort
Nicht ausgestellt 


