
unbekannt Miniaturkrug (mit altem Ausstellungsetikett), 15./16. Jh.
Das interessanteste an vorliegendem Krug ist nicht das Gefäß an sich, sondern das mit ihm überlieferte Etikett. Gerahmt von einer weiß-blauen Bordüre mit Wellenlinie und Punkten steht in sechs Zeilen mit schwarzer Tinte: „Mittelalterliches Henkeltöpfchen, mit gewelltem Standring (Fuss) und schwarzen Gurtfurchen; Grüne Glasur [stark] angegriffen; gefunden bei Abtragung des Walles b. […].“ Solche Zettelchen gibt es noch bei manchen Objekten in der Sammlung des Paderborner Altertumsvereins, womit sie wohl für die Ausstellung im Rathaus 1895–1945 beschriftet wurden.
Auch interessant ist die Bleistiftnotiz auf der Unterseite des Gefäßes: „Hillebrands Graben von Maurermeister Steffens 1895“. Letzterer hatte das Gefäß also in dem genannten Gartenlokal des Paderborner Gerichtskanzlisten Hermann Hillebrand im Bereich des heutigen Maspernplatzes entdeckt. Und zwar, als Ende des 19. Jahrhunderts auch dieser Teil der Stadtbefestigung abgetragen wurde, die sogenannte Heiersburg, die Anfang des 16. Jahrhunderts errichtete Schanze am Heierstor.
Interessant ist aber auch das Gefäß an sich, denn es ist die Miniaturform eines Henkelkrugs mit Wellenfuß und gelb-grüner Glasur. Solche Stücke gibt es seit dem 12. Jahrhundert im archäologischen Fundgut, sie könnten beispielsweise als Apothekengefäß gedient haben. Aber auch – und vielleicht eher – als Spielzeug, wie neuzeitliches Puppenstubengeschirr.
Moser, Marianne: Apothekengefäß oder Spielzeug? Ein frühneuzeitliches Miniaturgefäß aus Paderborn, in: Dethlefs, Gerd u. a. (Hg.): Seit 200 Jahren – Westfalen entdecken und erforschen. 200 Einblicke in die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, Bd. 12), Münster 2025, S. 148f.
- Gefunden 1895 in Paderborn
- Geschenkt 1895 von Maurermeister Steffens, Paderborn



